Die Ukraine hat ihre Angriffe auf russische Ölraffinerien in den vergangenen Monaten deutlich verstärkt. Laut einer gemeinsamen Analyse von BBC Verify und BBC Russian hat dies in Teilen Russlands bereits zu Benzin- und Dieselknappheit sowie steigenden Preisen geführt.
Rekord bei Angriffen seit Sommer
Seit Jahresbeginn wurden 21 von 38 großen Raffinerien in Russland getroffen – 48 % mehr als im gesamten Jahr 2024. Allein im August griffen ukrainische Drohnen 14 Raffinerien an, im September weitere acht. Betroffen sind sowohl strategische Anlagen nahe der Front als auch Raffinerien tief im Landesinneren.
Ein besonders spektakulärer Angriff erfolgte Ende September auf die Gazprom Neftekhim Salavat Raffinerie in Baschkortostan – mehr als 1.100 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt. Auch die großen Werke in Wolgograd und Rjasan bei Moskau wurden mehrfach getroffen und zeitweise lahmgelegt.
Folgen für Zivilbevölkerung
Videos zeigen lange Schlangen an Tankstellen, vor allem in Sibirien und im Fernen Osten Russlands. Kleinere Tankstellen mussten ganz schließen. In der Region Nowosibirsk sprach ein Betreiber von der schlimmsten Krise seit den 1990er-Jahren:
„Viele Tankstellen haben ihren Betrieb eingestellt. Besser abwarten, als mit Verlusten zu arbeiten.“
In der annektierten Krim führten die Behörden bereits Rationierungen ein. In westlichen Regionen wie Moskau und Krasnodar sind die Auswirkungen bislang geringer spürbar.
Preisschock und Exportstopps
Während die Einzelhandelspreise für Benzin steigen, kletterten die Großhandelspreise seit Januar um 40 %. Die Regierung versucht gegenzusteuern: Vizepremier Alexander Nowak verlängerte den teilweisen Exportstopp für Benzin bis Ende 2025.
Kremlsprecher Dmitri Peskow betonte, die Lage sei „unter Kontrolle“. Unabhängige Wirtschaftsexperten sehen das anders: Die Drohnenangriffe führten zu „ungeplanten Raffinerieabschaltungen“, schrieb etwa die Wirtschaftszeitung Kommersant.
Strategisches Ziel
Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete Angriffe auf die russische Ölindustrie als effektivste Sanktionen:
„Die Brände in Russlands Raffinerien schränken seine Kriegsfähigkeit erheblich ein.“
Militärexperten sehen in den Attacken eine gezielte Kampagne, die nicht sofort zum Zusammenbruch führt, aber den Druck auf Moskau erhöht. Der ehemalige Putin-Berater und heutige Oppositionelle Wladimir Milow sagt: „Die Ukraine trifft Russlands Achillesferse – Treibstoff für Zivilisten und für die Armee.“
Russlands Rohölexporte bleiben zwar ungebrochen hoch – doch die Versorgung mit raffinierten Produkten wie Benzin und Diesel wird zunehmend zur Schwachstelle.
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