Die ukrainischen Streitkräfte haben innerhalb weniger Tage überraschend große Geländegewinne erzielt. Zwischen Mittwoch und Sonntag vergangener Woche eroberte Kiew nach einer Analyse von Daten des US-Thinktanks Institute for the Study of War (ISW) rund 201 Quadratkilometer von russischen Truppen zurück. Das entspricht in etwa den russischen Geländegewinnen eines ganzen Monats – und ist der schnellste Vormarsch der Ukraine seit der Gegenoffensive im Juni 2023.
Die zurückgewonnenen Gebiete liegen vor allem östlich der Stadt Saporischschja, wo Russland seit Mitte 2025 deutliche Fortschritte erzielt hatte. Beobachter führen den ukrainischen Erfolg unter anderem auf technische Probleme russischer Einheiten zurück. Laut ISW könnten die Gegenangriffe durch eine zeitweise Blockade des Satellitennetzwerks Starlink begünstigt worden sein, das russische Kräfte offenbar für Kommunikation und Drohneneinsätze nutzten.
Berichten zufolge kam es Anfang Februar zu Störungen von Starlink-Terminals auf russischer Seite, nachdem Elon Musk Maßnahmen gegen die Nutzung des Systems durch Moskau angekündigt hatte. Kiew erklärte, Russland habe die Technik eingesetzt, um Drohnen präziser durch elektronische Störsysteme zu steuern.
Korruptionsaffäre erschüttert Regierung
Innenpolitisch sorgt ein Korruptionsfall für Aufsehen. Die ukrainische Antikorruptionsbehörde National Anti-Corruption Bureau of Ukraine (Nabu) beschuldigt den früheren Energieminister German Galushchenko, Schmiergelder verschleiert und Millionen ins Ausland geschafft zu haben. Er war am Sonntag bei dem Versuch festgenommen worden, das Land zu verlassen. Galushchenko bestreitet die Vorwürfe. Die Ermittlungen reichen demnach bis in höchste politische Kreise.
Neue diplomatische Initiative
International richtet sich der Blick auf anstehende Gespräche in Genf. US-Präsident Donald Trump drängte die Ukraine, „schnell“ zu einer Einigung mit Russland zu kommen. Vertreter aus Washington, Kiew und Moskau wollen sich zu neuen Verhandlungen treffen. Beobachter bleiben jedoch skeptisch, da Russland weiterhin weitreichende Forderungen stellt.
Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte unterdessen vor bevorstehenden massiven russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur. Geheimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass Moskau weitere kombinierte Attacken mit Drohnen und Raketen plane.
Zivile Opferzahlen steigen
Die humanitäre Lage verschärft sich weiter. Laut der britischen Organisation Action on Armed Violence stieg die Zahl ziviler Opfer durch Explosionen im Jahr 2025 um 26 Prozent. Mindestens 2.248 Zivilisten wurden getötet und mehr als 12.000 verletzt. Besonders verheerend war ein Angriff auf die Stadt Dnipro im Juni.
Die jüngsten Entwicklungen zeigen: Während es auf diplomatischer Ebene neue Anläufe gibt, bleibt die militärische Lage dynamisch – mit hohen menschlichen Kosten und ungewissem Ausgang.
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