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Überraschender Wahlsieg des Reformers in Iran: Peseschkian wird neuer Präsident

Chickenonline (CC0), Pixabay
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Bei der iranischen Präsidentschaftswahl hat der als gemäßigt geltende Kandidat Nossrat Peseschkian in einer überraschenden Wendung die Stichwahl gewonnen. Nach offiziellen Angaben der iranischen Wahlbehörde konnte sich der 69-jährige Herzchirurg mit 53,8 Prozent der Stimmen gegen seinen ultrakonservativen Konkurrenten Saeed Dschalili durchsetzen, der 44,2 Prozent erhielt.

Peseschkian, der deutsch-iranische Wurzeln hat und in Deutschland studierte, wird nun die Nachfolge des im Mai bei einem tragischen Hubschrauberabsturz ums Leben gekommenen Präsidenten Ebrahim Raisi antreten. Sein Wahlsieg wird von vielen als möglicher Wendepunkt in der iranischen Politik gesehen.

Im Wahlkampf hatte Peseschkian versprochen, eine Annäherung an den Westen anzustreben und innenpolitische Reformen einzuleiten. Insbesondere seine Ankündigung, das umstrittene Kopftuchgesetz zu lockern, fand bei vielen jüngeren und liberaleren Wählern Anklang. Allerdings betonte er auch, dass radikale Veränderungen nicht zu erwarten seien.

Experten warnen davor, die Bedeutung dieses Wahlergebnisses zu überschätzen. Sie weisen darauf hin, dass im iranischen System die eigentliche Macht beim religiösen Führer und Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei liegt. Dennoch sehen viele in Peseschkians Wahl ein Zeichen für den Wunsch nach Veränderung in der iranischen Bevölkerung.

International wurde der Wahlausgang mit vorsichtigem Optimismus aufgenommen. Während westliche Regierungen die Möglichkeit einer verbesserten Kommunikation begrüßen, bleiben sie angesichts der komplexen Machtstrukturen im Iran zurückhaltend in ihren Erwartungen.

Die Herausforderungen für den neuen Präsidenten sind enorm. Neben den angespannten internationalen Beziehungen, insbesondere im Hinblick auf das iranische Atomprogramm, muss Peseschkian auch die schwierige wirtschaftliche Lage des Landes und die wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung adressieren.

Es bleibt abzuwarten, inwieweit Peseschkian seine Reformversprechen umsetzen kann und ob sein Wahlsieg tatsächlich eine neue Ära in der iranischen Politik einläutet. Die kommenden Monate werden zeigen, ob er den schmalen Grat zwischen Reformwillen und den Interessen des etablierten Systems erfolgreich bewältigen kann.

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