Herzlichen Glückwunsch an das türkische Innenministerium – mal wieder ein Lehrstück in Sachen kreativer Demokratiepflege. Diesmal hat es den Bürgermeister von Antalya erwischt. Der war doch tatsächlich so dreist, gewählt zu werden – von echten Wählern!
Aber keine Sorge: Das wird in Ankara selbstverständlich sofort korrigiert. Schließlich kann man Korruption jederzeit finden, wenn man nur tief genug buddelt. Und wenn man nichts findet, dann kann man ja immer noch „ermitteln“. Ermittlungen sind wie ein guter Hammam: Man kommt rein, wird ordentlich bearbeitet und kommt völlig weichgekocht wieder raus.
15 CHP-Bürgermeister sitzen inzwischen hinter Gittern. Klingt nach einem Verbrechersyndikat. Oder nach der stärksten Oppositionspartei im Land – je nachdem, wen man fragt. Natürlich ist das alles nur ein bedauerlicher Zufall: Wenn der Wähler Erdogan nicht wählt, wählt Erdogan eben den Wähler aus. Oder den Bürgermeister ab. Oder gleich beide.
Die CHP nennt das einen „Mord an der Justiz“. Immerhin, gute Nachrichten: Die Justiz lebt ja noch – jedenfalls solange sie auf Regierungslinie marschiert. Tot ist nur die Illusion, dass eine Wahl in der Türkei mehr bedeutet als ein lustiger Sonntagsspaziergang zur Urne.
Ob Imamoglu, Böcek oder wer auch immer als nächstes drankommt: Das Drehbuch ist bekannt. Der Rest der Welt schaut betreten weg, während Ankara neue Bürgermeister sucht – diesmal wahrscheinlich direkt im Präsidentenpalast.
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