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Trumps Zollpolitik bedroht eine ganze Stadt: Kanadische Papierfabrik vor dem Aus

geralt (CC0), Pixabay
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Ein Handelskonflikt mit dramatischen Folgen: In der kanadischen Kleinstadt Témiscaming steht nicht nur eine traditionsreiche Papierfabrik still. Hunderte Arbeitsplätze und möglicherweise die wirtschaftliche Existenz einer ganzen Gemeinde sind bedroht. Die Bewohner wollen sich gegen den Niedergang wehren.

Seit mehr als einem Jahrhundert prägt die Papierfabrik das Leben im kanadischen Témiscaming in der Provinz Québec. Generationen von Familien verdienten dort ihren Lebensunterhalt. Nun steht das Werk still – und die Menschen fürchten um ihre Zukunft.

Hintergrund sind die Handelskonflikte zwischen Kanada und den USA. Die von US-Präsident Donald Trump eingeführten Zölle setzen insbesondere exportabhängige Unternehmen unter erheblichen wirtschaftlichen Druck.

360 Beschäftigte betroffen

Der amerikanische Eigentümer Rayonier Advanced Materials (RYAM) stellte den Betrieb Anfang Oktober auf unbestimmte Zeit ein. Die meisten der rund 360 Beschäftigten können derzeit nicht arbeiten.

Besonders problematisch: Etwa 75 Prozent der Produktion wurden bislang in die Vereinigten Staaten exportiert. Die hohen Handelsbarrieren gefährden damit einen wesentlichen Absatzmarkt.

Die Auswirkungen reichen weit über das Werksgelände hinaus. Immobilien verlieren an Wert, Zulieferer müssen Personal entlassen und örtliche Geschäfte fürchten erhebliche Umsatzeinbußen.

Ein regionaler Dienstleister musste bereits 13 Mitarbeiter entlassen.

Bewohner wollen ihre Fabrik zurückkaufen

Doch Témiscaming gibt nicht auf. Bereits 1973 gelang es Beschäftigten und Managern, die damals ebenfalls bedrohte Fabrik zu übernehmen. Daraus entstand das später international tätige Unternehmen Tembec.

Nun soll sich diese Geschichte möglicherweise wiederholen.

Arbeitnehmervertreter und Einwohner arbeiten an einer Initiative zur Übernahme des Werkes. Allerdings benötigen sie finanzielle Unterstützung der kanadischen Regierung und der Provinz Québec.

Die Bundesregierung unter Premierminister Mark Carney verweist auf bestehende Hilfsprogramme, darunter 400 Millionen kanadische Dollar für die Forstwirtschaft in ländlichen Regionen.

Ob diese Maßnahmen ausreichen, ist offen.

Wirtschaftspolitik mit menschlichen Folgen

US-Präsident Trump begründet seine Zollpolitik mit dem Schutz amerikanischer Arbeitsplätze und der Stärkung der heimischen Industrie.

Für exportabhängige Gemeinden wie Témiscaming bedeutet diese Politik jedoch erhebliche wirtschaftliche Unsicherheit.

Die Schließung eines einzigen Großbetriebs kann in strukturschwachen Regionen eine Kettenreaktion auslösen. Arbeitslosigkeit, sinkende Immobilienpreise und die Abwanderung von Familien gefährden langfristig die gesamte kommunale Infrastruktur.

Wettlauf gegen den Winter

Besonders dringend ist eine Lösung angesichts des bevorstehenden kanadischen Winters. Fallen die Temperaturen deutlich unter den Gefrierpunkt, könnten stillstehende Produktionsanlagen Schaden nehmen. Eine spätere Wiederaufnahme des Betriebs würde dadurch erheblich erschwert.

Der Fall Témiscaming zeigt beispielhaft, dass internationale Handelskonflikte nicht nur Unternehmen und Börsenkurse betreffen. Ihre Folgen tragen häufig Menschen, deren wirtschaftliche Existenz von politischen Entscheidungen abhängt, auf die sie selbst kaum Einfluss haben.

Für die Bewohner geht es deshalb längst um mehr als Arbeitsplätze: Es geht um die Zukunft ihrer Heimat.

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