Mit Wirkung vom heutigen Donnerstag hat US-Präsident Donald Trump eine neue Welle von Strafzöllen in Kraft gesetzt. Experten sprechen bereits von einem der tiefgreifendsten Eingriffe in die globale Wirtschaftsordnung seit der Großen Depression – mit teils massiven wirtschaftlichen, politischen und sozialen Folgen weltweit.
17 % Durchschnittszoll – Höchstwert seit den 1930ern
Die USA erheben nun auf Importe aus über 70 Ländern durchschnittlich mehr als 17 Prozent Zölle – der höchste effektive Zollsatz seit der Weltwirtschaftskrise. Besonders betroffen sind Industrieprodukte, Halbleiter, Bekleidung, Spielwaren und Elektronikkomponenten. Ziel ist laut Trump die „Wiederherstellung wirtschaftlicher Souveränität“ und der „Schutz amerikanischer Arbeitsplätze“.
Während das Weiße Haus betont, dass die Zölle zur Finanzierung des Staatshaushalts beitragen, befürchten Ökonomen bereits Inflationsdruck, Konsumzurückhaltung und einen Rückgang des Wachstums. Die Yale Budget Lab schätzt, dass die Maßnahmen das US-BIP um bis zu 0,5 Prozent jährlich belasten könnten.
Indien, China, EU: Die größten Opfer
Besonders hart trifft es Indien, das sich Trumps geopolitischer Linie verweigert und weiterhin russische Energie importiert. Es gilt nun ein Strafzoll von 50 Prozent auf viele indische Waren. Premierminister Narendra Modi kündigte an, nicht nachzugeben: „Wir werden nicht die Interessen unserer Bauern und Fischer dem Diktat eines anderen Landes unterordnen.“
Auch die EU ist betroffen: Zwar wurde ein Kompromisspaket ausgehandelt, das einen generellen 15-Prozent-Zoll vorsieht – doch auf deutsche Autos bleiben Spezialzölle von 27,5 Prozent bestehen. Die Präsidentin des VDA, Hildegard Müller, sprach von einer „massiven Belastung für die Automobilbranche“.
Trump-Regierung: „Neuer globaler Handelsrahmen“
US-Handelsvertreter Jamieson Greer rechtfertigte die Maßnahmen in einem Gastbeitrag in der New York Times als „notwendigen Bruch mit einem gescheiterten System“. Die WTO sei „nicht mehr tragfähig“, und man wolle nun eine Handelsordnung etablieren, die „die Interessen der amerikanischen Arbeiter schützt“. Greer warf anderen Staaten vor, Exporterfolge durch Lohndumping und Währungsmanipulation zu erreichen – zu Lasten der US-Industrie.
Globale Reaktionen: Widerstand und Neuausrichtung
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Kanada kündigte an, Handelsbeziehungen mit Europa und Asien auszubauen. Premier Doug Ford sprach von einem „Kollateralschaden für US-Arbeitsplätze“.
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Irland plant eine Diversifizierung seiner Exportmärkte – auch wegen drohender Sonderzölle auf Pharma und Whiskey.
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Russland und Indien bekräftigten am Donnerstag ihre strategische Partnerschaft – als direkte Antwort auf Trumps Sanktionen.
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Südafrika und andere Schwellenländer führen derzeit bilaterale Gespräche, um ihre Märkte abzusichern.
Marktreaktionen: Schwankungen, aber keine Panik
An den Börsen herrschte zunächst Unruhe. Der Dow Jones verlor am Nachmittag 0,87 %, der S&P 500 0,45 %. Nur der Tech-Sektor konnte punkten: Apple stieg um 2,8 %, nachdem bekannt wurde, dass iPhones und US-intern gefertigte Chips von den Strafzöllen ausgenommen sind.
Fazit: Rückkehr des Wirtschaftsnationalismus
Mit der neuen Zollpolitik forciert die Trump-Regierung eine fundamentale Kehrtwende. Während das Weiße Haus von einem „neuen Wirtschaftsaufbruch“ spricht, warnen Kritiker vor einem Rückfall in den Protektionismus. Noch ist unklar, ob diese Strategie dauerhaft tragfähig ist – oder ob sie letztlich mehr kostet als sie bringt.
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