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Trumps Kurswechsel gefährdet Leben von US-Kumpeln – Schutz vor Staublunge ausgebremst

hangela (CC0), Pixabay
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Ein Rückschritt mit dramatischen Folgen für die Gesundheit von Bergarbeitern in den USA: Die Regierung Trump hat nicht nur neue Schutzregelungen gegen Silikastaub gestoppt, sondern auch hunderte Mitarbeitende im Bereich Arbeitssicherheit entlassen. Der Protest ist groß – aus Politik, Medizin und der betroffenen Region.

Am selben Tag, an dem Donald Trump im Weißen Haus medienwirksam neue Maßnahmen zur Förderung der Kohleindustrie verkündete, wurde im Hintergrund ein Schutzmechanismus für Bergarbeiter vorerst stillgelegt: Eine bereits unter Präsident Biden beschlossene Regelung, die die zulässige Menge an gefährlichem Silikastaub in Kohlebergwerken halbieren sollte, wurde per Gerichtsbeschluss auf Wunsch der Industrie ausgesetzt. Die Umsetzung wird nun mindestens bis Mitte August verzögert.

Dabei hätte das neue Gesetz den sogenannten „Black Lung“ (Staublunge) – eine unheilbare und tödlich verlaufende Krankheit – wirksam eindämmen können.

Staublunge: Eine Krankheit mit bekanntem Verursacher

Die Zahl der an Staublunge erkrankten Bergleute war nach Einführung von Sicherheitsstandards in den 1970er Jahren zunächst rückläufig. Doch seit gut zwei Jahrzehnten nimmt die Zahl der Neuerkrankungen wieder stark zu. Besonders betroffen ist Zentral-Appalachia: Etwa jeder fünfte Kumpel dort zeigt laut CDC heute Anzeichen der Krankheit – viele davon sind jünger als 40 Jahre.

Grund dafür ist unter anderem der erhöhte Silikastaub-Anteil, der beim Durchbrechen von Sandstein auf dem Weg zu tiefer liegenden Kohleflözen entsteht. Dieser Staub ist besonders fein, scharfkantig und dringt tief in die Lunge ein – mit fatalen gesundheitlichen Folgen.

Kahlschlag bei Behörden – Überwachung kaum noch möglich

Gleichzeitig mit der Verschiebung der neuen Regelung hat die Trump-Administration in großem Stil Personal in zentralen Aufsichtsbehörden abgebaut:

  • Rund 900 Beschäftigte des National Institute of Occupational Safety and Health (NIOSH) wurden entlassen, darunter das komplette Team, das mobile Lungenuntersuchungen für Bergarbeiter anbot.

  • Dutzende Bergbau-Sicherheitsbüros sollen geschlossen werden.

  • Die Gesundheitsüberwachung für Kumpel wurde ohne Vorwarnung gestoppt.

Erst nach einer gerichtlichen Anordnung mussten 328 der entlassenen NIOSH-Mitarbeiter wieder eingestellt werden – doch der Schaden bleibt.

„Es ist schwer vorstellbar, dass es einen klareren Fall von irreparablem Schaden geben könnte“, schrieb Bundesrichterin Irene Berger in ihrer einstweiligen Verfügung zur Wiedereinstellung.

Widerstand wächst – auch juristisch

Bergarbeiter wie Harry Wiley aus West Virginia haben Klage gegen das Gesundheitsministerium und dessen neuen Chef Robert F. Kennedy Jr. eingereicht. Wiley leidet an einer frühen Form von Staublunge und hatte vergeblich versucht, eine Versetzung in einen weniger belastenden Bereich zu erreichen. Unterstützung erhält er von Anwälten und Organisationen wie dem Appalachian Citizens’ Law Center, das seit Jahren für bessere Sicherheitsstandards kämpft.

Dessen Leiter Wes Addington warnt: „Mit weniger Inspektoren steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich Kumpel verletzen – mitunter tödlich.“ Und selbst, wer unversehrt das Rentenalter erreicht, trägt oft irreversible Lungenschäden davon.

Medizinischer Aufschrei: „Vermeidbare Krankheit, vermeidbare Tode“

Auch Mediziner schlagen Alarm. Die Staublunge ist vollständig vermeidbar – wenn rechtzeitig gehandelt wird. Drew Harris, Leiter einer Black-Lung-Klinik in Virginia, spricht von 75 neuen Fällen innerhalb eines Jahres – viele davon schwere Verlaufsformen. „Wir verwenden nicht alle verfügbaren Mittel, um das zu verhindern“, sagt Harris. „Das ist einfach nur entmutigend.“

Die Erfahrung zeigt: Es braucht nicht nur Gesetze, sondern auch die Kapazität, sie durchzusetzen. Und genau diese wird derzeit systematisch abgebaut.

Fazit: Wirtschaftsförderung auf Kosten der Gesundheit

Während Donald Trump von „beautiful, clean coal“ spricht, sehen sich Arbeiter mit einer eskalierenden Gesundheitskrise konfrontiert. Die Rücknahme zentraler Schutzmaßnahmen – trotz jahrzehntelanger wissenschaftlicher Erkenntnisse – stellt ein politisches Signal dar: Wirtschaft kommt vor Gesundheit.

Doch der Widerstand wächst. Organisationen, Anwälte und Familienangehörige kämpfen dafür, dass Bergarbeiter nicht länger für wirtschaftliche Interessen geopfert werden. Denn wie Tilda Fields, deren Ehemann und Vater beide an Staublunge leiden bzw. daran starben, sagt:

„Man möchte, dass es den eigenen Kindern besser geht. Und vor allem möchte man, dass sie sicher sind.“

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