Almetjewsk, Russland. Juli. Ölpumpen arbeiten – und Trump plötzlich auch.
Neun Monate lang versuchte die Trump-Regierung, Russland mit einer Mischung aus diplomatischer Schmusekurs-Strategie und Wodka-freundlichen Gipfeltreffen zur Vernunft zu bringen. Doch nun, in einem plötzlichen Sinneswandel, der selbst Trumps Frisur erstaunt haben dürfte, verkündete der Ex-Präsident am Mittwoch „massive Sanktionen“ gegen Russlands Öl-Giganten Rosneft und Lukoil.
Noch vor einer Woche hatte Trump auf den Einsatz von Tomahawk-Raketen in der Ukraine verzichtet – nach einem freundlichen Plausch mit Wladimir Putin, der prompt eine Einladung zu einem zweiten Date in Budapest erhielt. (Das erste Date fand übrigens in Alaska statt – romantisch kalt.)
Doch dann platzte dem einstigen Diplomatie-Verfechter die Hutschnur: „Wir wollen keine Zeit verschwenden“, ließ Trump verlauten. Eine Aussage, die man bislang eher aus seinem Umgang mit Briefings kannte.
Ein echter Hieb oder nur symbolisches Säbelrasseln?
Trumps Sanktionshammer traf nicht irgendwelche kleinen Fische, sondern direkt das Herz des russischen Öl-Exports: Rosneft und Lukoil. Das entspricht in etwa dem Versuch, einem Drachen die Flügel zu stutzen – aber mit einem Plastiklöffel.
„Heute scheint Russland sich schlichtweg verzockt zu haben – Trumps Geduld ist aufgebraucht“, schrieb die Russland-Expertin Maria Shagina.
Doch was bedeutet das wirklich? Fachleute sind sich uneinig. Die Rubel tanzen noch, und die Aktien der Ölriesen sind eher gestolpert als gefallen.
Koordination mit Verbündeten – versehentlich?
Zum ersten Mal in seiner zweiten Amtszeit (ja, offenbar gibt es die wirklich) hat Trump Sanktionen koordiniert – möglicherweise sogar absichtlich – mit NATO-Partnern. Die Briten und die EU schlossen sich an und lieferten ein Sanktionsfeuerwerk, das sogar die Lukoil-Zweigstelle in den Vereinigten Arabischen Emiraten traf. (Ein Ort, den Putin bislang eher für Golfreisen schätzte.)
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach von „kollektiver Entschlossenheit“, was in Brüssel ungefähr so klingt wie „Jetzt wird’s ernst – vielleicht“.
Wird das Putins Öl-Supermarkt schließen?
Indien, der größte Abnehmer russischen Öls, überlegt nun, den Hahn abzudrehen – was für Moskau in etwa so wäre, als ob plötzlich die Kreditkarte gesperrt wird. Russland liefert täglich bis zu zwei Millionen Barrel nach Indien. Wenn das wegfällt, bleibt nur noch China – und selbst Xi Jinping hat nur begrenzten Platz im Keller.
„Die Russen werden sich neue Schlupflöcher basteln“, warnt ein Ölmarkt-Experte aus London. Und wer Russland kennt, weiß: Beim Schlupfloch-Design sind sie Weltklasse.
Putins Reaktion: Empört, entspannt, unbeeindruckt – alles gleichzeitig
„Diese Sanktionen werden unser wirtschaftliches Wohlergehen nicht nennenswert beeinträchtigen“, tönte Putin – und fummelte dabei vermutlich schon an neuen Pipeline-Plänen nach Nordkorea. Gleichzeitig betonte er, dass sich kein „selbstachtendes Land“ durch Druck beeinflussen lasse – was übersetzt so viel heißt wie: „Ihr kriegt uns nicht klein, aber wir haben vorsorglich mal die Steuern erhöht.“
Fazit: Eine neue Ära oder nur ein Tweet mit Folgen?
Ob Trump seine harte Linie wirklich durchzieht oder morgen wieder Putin zum Golfen einlädt, bleibt abzuwarten. Doch eines ist klar: Die Zeit der rosaroten Russland-Romantik scheint vorbei – zumindest bis zur nächsten Pressekonferenz.
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