Wenn man den Handelskrieg des Jahres 2025 verfolgt, fühlt es sich ein wenig so an, als würde man ständig einen Schlag in die Magengrube bekommen. Und genau das scheint Teil des Plans von Donald Trump 2.0 zu sein: Er schafft selbst die Krise – und verkauft dann eine marginale Entschärfung als „Sieg“.
Am Montag feierten die Finanzmärkte die Nachricht, dass die Zölle zwischen den USA und China gesenkt wurden: Die USA reduzierten ihre Importzölle auf chinesische Waren von 145 % auf 30 %, China seinerseits senkte seine Zölle von 125 % auf 10 %. Doch das ist kein Durchbruch, sondern nur ein etwas leichterer Schlag in denselben Magen.
Trumps Taktik erinnert an eine Szene aus „Arrested Development“, in der ein Charakter seinem Bruder ins Gesicht schlägt und dabei erklärt: „Wenn du das aushältst, wirst du umso mehr Spaß haben.“ So fühlen sich derzeit viele Unternehmen.
Wall Street atmet durch – aber warum?
Die Märkte schossen nach oben, nicht weil 30 % Zoll eine gute Nachricht sind – unter normalen Umständen wäre das eine Schocknachricht – sondern weil die Anleger befürchtet hatten, es könnte noch schlimmer kommen. Trumps Strategie hatte die Erwartungen so weit nach unten gedrückt, dass selbst schlechte Nachrichten wie ein Lichtblick wirken.
Laut einer Analyse des Yale Budget Lab dürften die verbleibenden Zölle die Verbraucherpreise in den USA um knapp 2 % steigen lassen, was durchschnittlich 2.800 US-Dollar Mehrkosten pro Haushalt bedeutet. Zudem drohen 456.000 zusätzliche Arbeitsplatzverluste bis Jahresende.
Auch das Wirtschaftswachstum der USA dürfte 2025 spürbar langsamer ausfallen, so die Chefvolkswirtin Kathy Bostjancic von Nationwide Mutual Insurance. Die staatlichen Sparmaßnahmen der Trump-Regierung verschärfen die Lage zusätzlich.
Trumps inkonsistente Wirtschaftspolitik
Der Kurswechsel beim China-Deal unterstreicht ein zentrales Problem, das Unternehmen immer wieder beklagen: Trumps Ziele und Prioritäten ändern sich scheinbar stündlich.
„Was sind die Chancen, dass es jetzt wirklich 90 Tage lang ruhig bleibt?“, fragte Ökonom Justin Wolfers im Gespräch mit CNN. „Heute haben wir gute Nachrichten – aber was wir wirklich bräuchten, wäre jemand, der ihm den roten Knopf wegnimmt.“
Ein „Sieg“ im eigenen Spiel
Die Regierung feierte die Einigung als weiteren Trump-Erfolg, nach dem vermeintlichen „historischen“ Handelsabkommen mit Großbritannien – das sich jedoch eher als unverbindliche Absichtserklärung entpuppte.
Ja, 30 % Zoll sind besser als 145 %. Doch dieser Rückgang ist nur deshalb eine Verbesserung, weil Trump die Zölle vorher auf ein unerträgliches Niveau angehoben hatte. Er hat das Feuer selbst gelegt – und sich dann als Held inszeniert, weil er mit einem einzigen Eimer Wasser zurückkam.
Der eigentliche Schaden bleibt bestehen. Viele Lieferketten sind bereits gestört, Investitionen wurden gestoppt, das Vertrauen in die wirtschaftliche Verlässlichkeit der USA hat gelitten. Und Trump? Er spielt weiterhin mit dem Feuer.
Fazit:
Trumps größter Erfolg ist nicht der neue Handelsdeal mit China – es ist die Meisterschaft in der Realitätserzwingung. Er verkauft die von ihm verursachten Krisen als Heldengeschichten, während der wirtschaftliche Schaden real bleibt. Die Börsen mögen kurzzeitig jubeln – aber langfristig ist niemandem geholfen, wenn Chaos zur neuen Normalität wird.
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