US-Präsident Donald Trump hat bei seinem Auftritt auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos erneut für internationale Verstimmung gesorgt. In einer mehr als einstündigen Rede forderte er abermals die Übernahme Grönlands durch die Vereinigten Staaten. Zwar betonte Trump ausdrücklich, dass er „keine Gewalt anwenden“ wolle, doch seine Aussagen wurden von vielen europäischen Teilnehmern als Provokation wahrgenommen.
„Grönland gehört uns“
„Keine Nation oder Staatengruppe außer den USA ist in der Lage, Grönland zu sichern“, sagte Trump. Er rief zu „sofortigen Verhandlungen“ mit den europäischen Verbündeten auf und erklärte, eine US-Kontrolle über Grönland würde die NATO stärken. Besonders hart attackierte er Dänemark, das er als „undankbar“ bezeichnete, weil es sich der Abgabe des arktischen Gebiets widersetzt habe.
Die Forderung nach Grönland ist nicht neu. Bereits 2019 hatte Trump mit einem Kaufangebot für internationales Aufsehen gesorgt. Nun aber verleiht er dem Thema neue Brisanz, indem er es mit sicherheitspolitischen und ökonomischen Argumenten verknüpft. „Alles, was wir wollen, ist ein Ort namens Grönland“, sagte Trump. „Wir wollen Eigentum, nicht nur Nutzung. Nur mit Eigentum kann man es verteidigen.“
Europa reagiert mit Entsetzen
Hinter den Kulissen formiert sich diplomatischer Widerstand. Laut CNN planen europäische Diplomaten eine konzertierte Reaktion auf die Grönland-Forderung, die zunehmend als Belastung für die NATO gesehen wird. Drei Quellen sprechen von einem drohenden „Showdown“, der die Zukunft der transatlantischen Allianz gefährden könnte.
Als unmittelbare Reaktion setzte das Europäische Parlament die Ratifizierung eines geplanten US-EU-Handelsabkommens aus. „Deal auf Eis – auf unbestimmte Zeit“, schrieb der Vorsitzende des Handelsausschusses, Bernd Lange, auf X.
Angriffe auf Europa, Kanada und Windkraft
In seiner Rede sparte Trump nicht mit weiteren Seitenhieben. Europa sei „kaum noch wiederzuerkennen“. Ursachen seien „ausufernde Staatsausgaben, unkontrollierte Migration und endlose Importe“. Kanada warf er „Undankbarkeit“ vor. Die NATO stellte er erneut infrage: „Sind sie wirklich für uns da? Ich weiß es nicht.“
Zudem griff er die Ukraine-Hilfe scharf an und sagte, die USA hätten damit „nichts zu tun“. „Ein großer, schöner Ozean trennt uns – das ist nicht unser Problem.“
Trump verlor sich über weite Strecken in Tiraden gegen erneuerbare Energien, insbesondere Windkraft. Diese sei „verantwortlich für Europas Niedergang“. Auch Französischen Präsident Macron verspottete er öffentlich wegen dessen Sonnenbrille.
Spott und Kopfschütteln
In Davos reagierten viele Gäste mit Unverständnis, einige verließen während der Rede sogar den Saal. Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom nannte Trumps Auftritt „bemerkenswert belanglos“. Selbst republikanische Politiker wie Senator Lindsey Graham verteidigten Trumps Grönland-Kurs, forderten aber von Europa, endlich „zu verhandeln“. Graham sagte wörtlich: „Europa sollte endlich den Mund halten.“
Fazit: Transatlantisches Beben
Trumps Grönland-Forderung ist mehr als ein geopolitischer Spleen. Sie reiht sich ein in eine Politik des Konfrontationskurses mit Europa, der Zweifel an der Verlässlichkeit der USA als Partner nährt. Was bleibt, ist der Eindruck einer immer tiefer werdenden Kluft zwischen den Vereinigten Staaten und ihren europäischen Verbündeten. Ob dies nur Rhetorik ist – oder der Beginn einer neuen strategischen Epoche – wird sich zeigen. Sicher ist: Davos 2026 wird als Wendepunkt in Erinnerung bleiben.
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