In Virginia spielt sich derzeit ein Justizdrama ab, das selbst Netflix nicht besser schreiben könnte: New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James, berüchtigt als eine von Trumps hartnäckigsten Gegnerinnen, steht plötzlich selbst vor Gericht – angeklagt wegen Bankbetrugs. Oder, wie Trump es vermutlich nennen würde: „Karma, Baby!“
Der Vorwurf klingt banal – fast niedlich: James soll ein kleines Haus in Norfolk (Virginia) 2020 als „Zweitwohnsitz“ deklariert haben, obwohl sie es angeblich nur vermietete. Der Trick soll ihr bessere Kreditkonditionen verschafft haben. Der Schaden: überschaubar. Der politische Sprengstoff: gigantisch.
Denn die Anklage kam nur drei Wochen, nachdem Trump öffentlich gefordert hatte, dass „diese Frau endlich angeklagt gehört“. Und – Überraschung! – kurz darauf wurde der zuständige Staatsanwalt ersetzt. Neuer Chefankläger: Lindsey Halligan, Trumps ehemalige Anwältin, die offenbar ihr Jurastudium direkt in der „Fox News Night School“ absolviert hat.
Vor dem Gerichtsgebäude empfingen James hunderte jubelnde Unterstützer, die „We stand with Tish!“ riefen – während Trump-Fans online vermutlich Popcorn holten. James konterte kämpferisch und zitierte Martin Luther King: „Justice will roll down like waters.“ Frei übersetzt: „Ich lass mir von Trump nicht den Bach runtergehen.“
Trump wiederum dürfte sich ins Fäustchen lachen. Nach FBI-Chef James Comey ist James nun schon das zweite Mitglied seiner persönlichen Feindesliste, das sich plötzlich in einem Gerichtssaal wiederfindet. Zufall? In Trumps Amerika glaubt daran mittlerweile nicht mal mehr die Freiheitsstatue – und die hat schon viel gesehen.
James’ Anwalt Abbe Lowell sprach von einem „Akt der politischen Vergeltung“. Halligan – also die frisch eingesetzte Staatsanwältin – konterte kühl, die Vorwürfe seien „eine schwerwiegende Verletzung des öffentlichen Vertrauens“. Man könnte meinen, sie spreche von der US-Justiz insgesamt.
Während also in Washington weiter der große Wahlkampf-Trommelwirbel läuft, zeigt der Fall Letitia James: In den USA kann man vom Staatsanwalt zur Angeklagten wechseln, ohne den Gerichtssaal zu verlassen. Willkommen in der Trump-Ära – wo Gerechtigkeit offenbar Geschmackssache ist und politische Gegner plötzlich Immobilienprobleme haben.
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