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Trump will US-Ölindustrie in Venezuela wiederbeleben – doch das wird alles andere als einfach

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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US-Präsident Donald Trump setzt große Hoffnungen in die amerikanische Ölindustrie: Sie soll nach dem militärischen Sturz von Nicolás Maduro Venezuela wirtschaftlich wieder aufbauen – insbesondere durch die Wiederbelebung der einst florierenden Ölproduktion.

Doch Energieexperten warnen: Die weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven, die in Venezuela lagern, könnten sich für die USA eher als Risiko denn als Chance entpuppen.

Um Venezuelas zerstörte Ölinfrastruktur wiederherzustellen, wären milliardenschwere Investitionen notwendig – eine Einschätzung, die Trump selbst teilt. Die Förderanlagen sind marode, viele Raffinerien stillgelegt oder technisch veraltet. Zudem ist das venezolanische Schweröl besonders aufwendig in der Verarbeitung, was die Sache für Investoren zusätzlich erschwert.

„Selbst in einem politisch stabilen Land wären diese Voraussetzungen eine große Herausforderung“, sagt Clayton Seigle vom Center for Strategic and International Studies. Doch Venezuela steckt nach dem gewaltsamen Regierungswechsel mitten in einer tiefen politischen Krise – ein unkalkulierbares Risiko für Unternehmen.

Am vergangenen Samstag hatte eine US-Spezialeinheit Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro sowie dessen Ehefrau Cilia Flores bei einer groß angelegten Militäraktion in Caracas festgenommen und in die USA überführt. Beide wurden wegen Drogenschmuggels und Waffenverstößen angeklagt.

Trump erklärte anschließend, die USA würden das Land vorübergehend „führen“, bis eine „sichere und ordentliche“ Übergangsregierung etabliert sei. Noch am selben Tag setzte Venezuelas Oberster Gerichtshof Delcy Rodríguez – bisher Chefin des staatlichen Ölkonzerns PDVSA – als Übergangspräsidentin ein.

Trump betonte, die amerikanischen Ölkonzerne – „die größten der Welt“ – sollten Venezuela zu alter wirtschaftlicher Stärke verhelfen. Die US-Unternehmen sollen Milliarden investieren, die Infrastruktur modernisieren und damit sowohl Venezuela als auch sich selbst Gewinne verschaffen.

Doch das Verhältnis zwischen den USA und Venezuelas Ölindustrie ist historisch belastet. Zwar waren amerikanische Unternehmen über Jahrzehnte zentral am Aufbau beteiligt, doch seit der Machtübernahme Hugo Chávez’ 1999 wurde die Branche verstaatlicht. Ausländische Investoren wurden systematisch zurückgedrängt, und PDVSA verlor zunehmend an technischer und wirtschaftlicher Substanz.

Heute ist Chevron der letzte US-Konzern mit verbliebener Präsenz im Land – möglich gemacht durch ein fragiles Netz aus Sanktionen und Sondergenehmigungen. Rund ein Viertel des venezolanischen Öls wird derzeit durch Chevron gefördert und größtenteils in die USA exportiert.

„Chevron hat dort seit hundert Jahren operiert – das verschafft dem Unternehmen einen enormen Startvorteil“, so Energieexperte Seigle. Neue Marktteilnehmer hätten es deutlich schwerer, da das technische Know-how und die notwendige Infrastruktur kaum kurzfristig aufzubauen seien.

Michael Klare, Experte für Energiesicherheit, ergänzt: „Man kann nicht einfach nach Venezuela kommen und anfangen, Öl zu fördern. Das ist ein extrem komplexer Prozess – und Chevron ist eines der wenigen Unternehmen, das diese Fähigkeiten über Jahrzehnte aufgebaut hat.“

Chevron selbst äußerte sich nach der Festnahme Maduros zurückhaltend. Man werde weiterhin „im Einklang mit allen geltenden Gesetzen und Vorschriften“ operieren, hieß es in einer Stellungnahme.

Ob Trumps geopolitischer Kraftakt in Venezuela langfristig ökonomisch aufgeht – oder sich als riskantes Unterfangen mit ungewissem Ausgang entpuppt –, bleibt offen.

 

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