In einer Mischung aus Motivationsrede und Wahlkampfauftritt hat US-Präsident Donald Trump am 1. Mai vor Absolventinnen und Absolventen der University of Alabama gesprochen – und dabei weit mehr geliefert als die üblichen Glückwünsche.
Während Trump die jungen Menschen aufforderte, „groß zu denken“ und „niemals aufzugeben“, nutzte er die Bühne gleichzeitig für scharfe Angriffe auf die Vorgängerregierung und die Justiz. Die vergangenen vier Jahre unter Joe Biden seien „nicht gut für unser Land“ gewesen, so Trump, der Biden-Regierung warf er Inkompetenz und Schwäche vor.
Trump kündigte ein neues wirtschaftliches „Wachstumswunder“ an – trotz einer aktuellen Schrumpfung der US-Wirtschaft um 0,3 Prozent im ersten Quartal, dem schlechtesten Ergebnis seit drei Jahren. Seine Antwort darauf: noch mehr Zölle. Dass diese bei vielen Unternehmen und Verbrauchern für Unsicherheit sorgen, erwähnte er nicht.
Auch sein Lieblingsthema, die Einwanderung, fand Raum. Er beklagte Gerichte, die seine Abschiebepolitik blockieren, und kritisierte, dass illegale Migranten Anspruch auf ein rechtsstaatliches Verfahren („due process“) hätten: „Ich weiß nicht, wie man jemandem, der illegal eingereist ist, überhaupt Rechtsanspruch geben kann.“
Weitere politische Seitenhiebe richteten sich gegen trans Athletinnen im Frauensport, gegen Harvard – dem Trump die Zukunft abspricht – und gegen Tech-Firmen, die ihn früher abgelehnt, heute aber laut seiner Aussage „meinen A**** küssen“ würden.
Zum Schluss inszenierte Trump einen patriotischen Schulterschluss: „Das nächste Kapitel der amerikanischen Geschichte wird nicht von der Harvard Crimson geschrieben. Es wird von euch geschrieben – der Crimson Tide.“
Die Zuhörer in dem tief republikanischen Bundesstaat applaudierten begeistert. Dass sich ein Präsident bei einer Abschlussfeier als Wahlkämpfer in eigener Sache präsentiert, stört hier offenbar kaum jemanden.
Kommentar hinterlassen