Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump sowie ein Zusammenschluss von Gouverneuren nordöstlicher Bundesstaaten fordern den Stromnetzbetreiber PJM auf, eine außerordentliche Strom-Auktion durchzuführen. Ziel ist es, Technologiekonzerne stärker an den massiv steigenden Stromkosten zu beteiligen, die durch den Bau neuer Rechenzentren entstehen.
Langfristige Stromverträge exklusiv für die Tech-Branche
Geplant ist eine Auktion, bei der Technologieunternehmen 15-jährige Verträge für Strom aus neu gebauten Kraftwerken erwerben können. Solche Auktionen sind in der US-Energiebranche zwar üblich, betreffen jedoch meist einjährige Verträge und stehen allen Stromversorgern und Energieproduzenten offen. Die nun vorgeschlagene Auktion soll sich ausschließlich an Tech-Unternehmen mit hohem Energiebedarf richten – etwa solche, die KI-Rechenzentren betreiben.
Die dabei erzielten Einnahmen in Milliardenhöhe sollen den Bau neuer Stromerzeugungskapazitäten im PJM-Netzgebiet finanzieren. Davon könnten perspektivisch auch die 67 Millionen Endverbraucher*innen profitieren, die aktuell von steigenden Strompreisen betroffen sind.
Hintergrund: Datenzentren treiben Strombedarf in die Höhe
Die explosionsartige Nachfrage nach KI-Rechenzentren, insbesondere in Bundesstaaten wie Virginia, führt zu einer starken Belastung des Stromnetzes und lässt die Preise für Verbraucher steigen. Ein Beispiel: In New Jersey stiegen die Strompreise binnen eines Jahres um mehr als 20 %, in Virginia plant der größte Versorger eine Preiserhöhung von rund 9 %.
Laut Verbraucherpreisindex sind die Strompreise landesweit um 6,7 % gestiegen, seit Ende 2021 sogar um fast 30 %.
PJM warnt vor Versorgungslücken – erste Auktion scheitert
Der Vorschlag folgt auf ein historisches Ereignis im Dezember: Erstmals konnte der Netzbetreiber PJM in einer regulären Auktion nicht genügend Strom für den erwarteten Bedarf bereitstellen – konkret für den Zeitraum von Juni 2027 bis Mai 2028. PJM rechnet mit einem Defizit von 5,2 % gegenüber der Nachfrage.
Der Hauptgrund laut Betreiber: ungedeckter Strombedarf durch neue Datenzentren. Die Versorgungssicherheit in der Region sei gefährdet, wenn nicht rasch neue Kapazitäten geschaffen würden.
Regierung setzt auf politische Initiative – doch PJM reagiert reserviert
Die vorgeschlagene Spezialauktion hat allerdings keine rechtlich bindende Grundlage. Weder das Weiße Haus noch die Bundesstaaten können PJM zur Durchführung zwingen. PJM selbst zeigte sich überrascht: Man sei über die Pläne nicht vorab informiert worden und nicht eingeladen worden, hieß es in einem Statement.
Die Stromauktionen dienen seit der Deregulierung des Energiemarkts als zentrales Instrument, um Angebot und Nachfrage zwischen Energieerzeugern und Versorgern abzugleichen – etwa zwischen Gaskraftwerken, Windparks oder Solaranlagen.
Trump will „Kostenwahrheit“ bei Stromverbrauch von Tech-Konzernen
In öffentlichen Äußerungen hatte Trump in den vergangenen Wochen mehrfach betont, dass Technologieunternehmen nicht die Stromrechnung der Nation aufbürden dürfen. Seine Regierung arbeite daran, mit großen US-Technologiekonzernen faire Lösungen zu finden, damit nicht die Allgemeinheit für deren Energiehunger zahlen müsse.
Man wolle sicherstellen, dass „die Amerikaner nicht die Zeche zahlen für den Stromverbrauch der Tech-Industrie“, so eine Ankündigung auf Trumps Social-Media-Kanal.
Erste Tech-Unternehmen reagieren
Einige Technologiekonzerne haben bereits Reaktionen angekündigt. So erklärte ein führender Anbieter, künftig freiwillig höhere Strompreise in Regionen mit eigenen Rechenzentren zu zahlen und Kosten für Netzmodernisierungen zu übernehmen.
Umweltbedenken und Arbeitsmarkt-Ängste
Neben den Stromkosten sorgen auch die ökologischen Auswirkungen der Rechenzentren für Diskussionen. Der hohe Energieverbrauch führt zu steigendem CO₂-Ausstoß, und viele Kommunen äußern Bedenken über die langfristigen Folgen. Zugleich gibt es gesellschaftliche Ängste, dass der zunehmende Einsatz von KI Arbeitsplätze verdrängen könnte.
Fazit: Streit um Verantwortung für den digitalen Stromverbrauch
Die politische Initiative der US-Regierung und nordöstlicher Bundesstaaten ist ein Signal an die Technologiebranche, sich stärker an den gesellschaftlichen Folgekosten ihrer Infrastruktur zu beteiligen. Ob es zu der geplanten Sonderauktion kommt, bleibt jedoch offen – und dürfte stark davon abhängen, ob sich Netzbetreiber, Tech-Industrie und Regulierungsbehörden auf ein gemeinsames Vorgehen einigen können.
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