In einer zu erwartenden Episode aus der Rubrik „Diplomatie, Version Hooligan“ hat US-Präsident Donald Trump der Terrororganisation Hamas kurzerhand mit dem Tod gedroht — online, verständlich und sehr direkt. „Wenn diese weiter Menschen im Gazastreifen töten, werden wir keine Wahl haben, als hineinzugehen und sie zu töten“, schrieb der Republikaner auf seiner Plattform Truth Social. Kürzer, klarer, kaum Raum für feine Nuancen: so klingt Außenpolitik heute im 280-Wort-Zeitalter.
Interessant: Noch bevor der Vorschlag mit dem Einmarsch und dem finalen „Game Over“ kam, hatte Trump offenbar ein gewisses Maß an Gelassenheit für die Vorgänge dort übrig. Als Berichte über Tötungen im Gazastreifen auftauchten, kommentierte er nahezu lässig, die Hamas habe gegen „sehr, sehr schlimme Banden“ durchgegriffen — und das habe ihn „nicht groß gestört“. Man darf sich fragen, ob hier grade Fakten oder das Gefühl eines starken Mannes im Vordergrund standen.
Unterdessen geistern verstörende Bilder durch die sozialen Medien: Ein Video zeigt offenbar die Erschießung mehrerer Menschen auf einem öffentlichen Platz südlich der Stadt Gaza. Augenzeugen berichten, den Getöteten sei Kollaboration mit der israelischen Armee vorgeworfen worden. Das Auswärtige Amt nannte die Szenen „schockierend“, die Palästinensische Autonomiebehörde verurteilte die mutmaßlichen Exekutionen scharf — Worte, die in normalen Zeiten eigentlich reichen sollten, um eine internationale Diskussion anzustoßen. Heute reichen sie offenbar gerade noch für einen empörten Tweet und die nächste Lautstärke-Steigerung.
Auch Israel mischt sich derweil in die Reihe der Empörten ein — allerdings mit einem anderen Fokus: Weil die Hamas angeblich nicht alle Leichen israelischer Geiseln herausgegeben habe, drohte Verteidigungsminister Israel Katz mit einer Wiederaufnahme der Kämpfe „in Abstimmung mit den Vereinigten Staaten“. Die Hamas wiederum behauptet, man habe alle Leichen ausgehändigt, zu denen man Zugang gehabt habe. Ein Dialog, der so konstruktiv ist wie zwei Autos mit Vollgas aufeinander zu.
Fazit: In einer Welt, in der internationale Beziehungen zunehmend per Postings, Provokationen und pointierten Schlusssätzen ausgetragen werden, bleibt eines konstant: Die Sprache der Eskalation ist schneller bei der Hand als die Sprache der Deeskalation. Und während Schlagworte wie „hineingehen und töten“ viral gehen, bleibt die Frage, ob die Welt dadurch ein Stück besser — oder nur lauter — wird. Spoiler: lauter.
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