Ein Social-Media-Beitrag von US-Präsident Donald Trump hat in den Vereinigten Staaten eine hitzige Debatte über den Umgang mit Kinderimpfungen ausgelöst. In dem am 26. September veröffentlichten Truth-Social-Post äußert Trump mehrere Aussagen zur Impfplanung, die von den offiziellen Empfehlungen der US-Gesundheitsbehörden abweichen – und teilweise bereits in seiner ersten Amtszeit für Kritik gesorgt hatten.
Das Weiße Haus erklärte gegenüber USA TODAY, dass es sich bei Trumps Ausführungen um seine „persönliche Meinung“ handle. Die US-Seuchenbehörde CDC betont jedoch, dass ihre aktuell gültigen Empfehlungen zur Impfplanung für Kinder und Jugendliche weiterhin Bestand hätten.
Trump stellt Impfzeitpunkte infrage
In seinem Beitrag schlägt Trump unter anderem vor, dass:
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der MMR-Impfstoff (Masern, Mumps, Röteln) in drei getrennten Einzeldosen verabreicht werden solle,
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der Windpocken-Impfstoff (Varizellen) nicht kombiniert mit MMR verabreicht werden sollte,
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die Hepatitis-B-Impfung erst ab 12 Jahren gegeben werden solle,
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Impfungen auf fünf getrennte Arzttermine aufgeteilt werden sollten.
Zudem wiederholt Trump die unbelegte Behauptung, ein Zusammenhang zwischen dem Schmerzmittel Paracetamol (Tylenol) und Autismus könne bestehen – eine These, die von medizinischen Fachgesellschaften eindeutig zurückgewiesen wird.
Was empfiehlt die CDC tatsächlich?
Die Centers for Disease Control and Prevention (CDC) halten an ihrem standardisierten Impfkalender für Kinder fest (Stand: 26. September 2025):
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Bei der Geburt: erste Hepatitis-B-Impfung
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Ab dem 2. Lebensmonat: Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten (DTaP), Polio, Pneumokokken, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Rotavirus; ggf. auch RSV-Schutz mit Nirsevimab
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12 Monate: erste MMR- und Varizellen-Impfung sowie Hepatitis A
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15–18 Monate: weitere DTaP-Dosis, ggf. weitere Hib- und Pneumokokken-Impfdosen
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4–6 Jahre: letzte Dosen von MMR, Varizellen, DTaP und Polio
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Ab 6 Monaten: jährliche Grippeimpfung empfohlen
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COVID-19-Impfung: empfohlen nur noch für bestimmte Risikogruppen
COVID-19: Impfungen nur noch für Risikogruppen
Im August hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA die Notfallzulassungen für COVID-19-Impfstoffe beendet. Seither gelten:
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Moderna: zugelassen ab 6 Monaten, aber nur für Kinder mit Vorerkrankungen und Erwachsene ab 65
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Pfizer: ab 5 Jahren bei Vorerkrankungen und ab 65 Jahren
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Novavax: ab 12 Jahren bei Vorerkrankungen und ab 65 Jahren
Die CDC empfiehlt bei gesunden Kindern keine generelle Impfung mehr, sondern betont die „individuelle Entscheidungsfindung“ gemeinsam mit dem Arzt.
Neuausrichtung des Impfbeirats sorgt für Kritik
Der zuständige Impfbeirat ACIP (Advisory Committee on Immunization Practices) wurde Anfang 2025 durch Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. umstrukturiert – mit zahlreichen Neubesetzungen und Entlassungen. Kritiker werfen der Regierung vor, medizinische Entscheidungen zunehmend politisch zu beeinflussen.
Am 18. September sprach sich das Gremium gegen die weitere Empfehlung des Kombinationsimpfstoffs MMRV (Masern, Mumps, Röteln, Windpocken) bei Kindern unter vier Jahren aus. MMR und Varizellen sollen jedoch weiterhin einzeln verabreicht werden, die Kombi-Impfung wird nicht mehr aktiv empfohlen.
Eine Verschiebung der Hepatitis-B-Impfung auf einen späteren Zeitpunkt wurde diskutiert, aber letztlich verworfen. Babys sollen diese weiterhin innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt erhalten – wie bislang üblich.
Eine kontroverse Empfehlung zur Einführung von Rezeptpflicht für COVID-19-Impfstoffe wurde ebenfalls abgelehnt.
Fazit: Offizielle Leitlinien bleiben – Trump setzt auf persönliche Meinung
Während Trump über soziale Netzwerke Empfehlungen verbreitet, die medizinisch nicht gedeckt und zum Teil irreführend sind, halten CDC und ACIP an evidenzbasierten Empfehlungen fest. Der Konflikt zwischen politischer Einflussnahme und wissenschaftlicher Leitlinie bleibt jedoch angespannt – insbesondere im Vorfeld der nächsten Präsidentschaftswahl.
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