US-Präsident Donald Trump hat einen Vorschlag unterbreitet, der direkt das Herzstück des US-Finanzsystems trifft: einen einjährigen Höchstzinssatz von 10 % für Kreditkarten. Das Ziel: die steigenden Lebenshaltungskosten abfedern – doch die Maßnahme könnte einen Konflikt mit der Wall Street auslösen.
Entlastung für Verbraucher – aber zu welchem Preis?
Trumps Vorschlag würde Millionen Kreditkartenbesitzern kurzfristig Zinsersparnisse in Milliardenhöhe bringen. Laut aktuellen Daten liegt der durchschnittliche Kreditkartenzins in den USA derzeit bei 19,64 %. Eine Deckelung auf 10 % könnte laut Reformbefürwortern jährlich rund 100 Milliarden US-Dollar an Zinszahlungen einsparen.
Gleichzeitig warnen Finanzkonzerne vor den Folgen: Ein Zinsdeckel würde die Kreditvergabe einschränken, insbesondere an Personen mit mittlerer oder schwächerer Bonität. Auch Bonusprogramme wie Cashback oder Prämienpunkte könnten gekürzt werden.
Banken wehren sich geschlossen
Vertreter großer US-Banken äußerten sich deutlich ablehnend. Kreditkarten seien ein zentrales Geschäftsmodell – sinkende Zinsen würden ihre Profitabilität massiv gefährden, so die Argumentation. Sollte der Deckel eingeführt werden, werde die Kreditvergabe reduziert und mehr Menschen könnten gar keine Kreditkarte mehr erhalten, heißt es aus Bankenkreisen.
Einige Analysten sehen zudem wirtschaftliche Risiken: Weniger Kreditvergabe könnte den Konsum bremsen und damit das Wachstum beeinträchtigen.
Politischer Kontext: Wahlkampf und Widerspruch zur Vergangenheit
Der Vorschlag fällt in den beginnenden Präsidentschaftswahlkampf. Trump positioniert sich erneut als Vertreter der wirtschaftlich belasteten Mittelschicht – trotz seiner vorherigen Bemühungen, den Finanzsektor zu deregulieren und die Verbraucherschutzbehörde CFPB massiv zu schwächen.
Beobachter sehen darin einen Kurswechsel oder zumindest ein Wahlkampfmanöver. Kritiker merken an, dass Trump im Amt Regeln zum Schutz von Kreditkartenkunden gelockert habe, etwa durch die Rücknahme einer Obergrenze für Mahngebühren.
Rückendeckung von untypischen Allianzen
Obwohl Trump und die Wall Street traditionell eng verbunden sind, stößt sein Vorstoß auf ungewöhnliche parteiübergreifende Unterstützung. In der Vergangenheit haben sowohl progressive als auch konservative Politiker ähnliche Forderungen aufgestellt – darunter auch Gesetzesentwürfe mit Zinsgrenzen zwischen 10 % und 15 %.
Allerdings ist bislang unklar, wie der Vorschlag umgesetzt werden soll. Eine gesetzliche Umsetzung würde den Kongress erfordern, eine freiwillige Beteiligung der Banken erscheint derzeit unwahrscheinlich.
Verbraucherverschuldung auf Rekordhoch
Die Sorge um die Kreditkosten ist nicht unbegründet: Die Kreditkartenschulden der US-Haushalte erreichten im dritten Quartal 2025 mit 1,23 Billionen US-Dollar ein Rekordniveau. Das entspricht einem Anstieg von knapp 6 % im Jahresvergleich.
Während Banken auf mögliche negative Effekte hinweisen, betonen Reformbefürworter, dass die Gewinnmargen in diesem Geschäftsfeld extrem hoch seien – und ein Zinsdeckel diese nicht ernsthaft gefährde.
Ein begleitendes Gutachten kommt zu dem Ergebnis: Selbst mit eingeschränkten Prämienprogrammen und einer vorsichtigeren Kreditvergabe würden viele Verbraucher unter dem Strich mehr sparen als verlieren.
Fazit: Symbolpolitik oder echter Systemwandel?
Trumps Zinsdeckel-Vorschlag trifft einen Nerv bei vielen US-Bürger*innen – doch ob er politisch durchsetzbar ist, bleibt fraglich. Die Wall Street bereitet sich auf Widerstand vor, während Verbraucherschützer den Vorstoß als überfällige Regulierung feiern.
Klar ist: Die Debatte um bezahlbares Leben in den USA wird zur Schlüsselfrage des Wahljahres 2026 – und Trump versucht, sich erneut als Problemlöser zu positionieren. Ob die Umsetzung gelingt oder der Vorschlag symbolisch bleibt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen.
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