Trotz anhaltender Forderungen aus dem Kongress und von Teilen der eigenen Anhängerschaft verweigert die Trump-Regierung bislang die vollständige Freigabe der sogenannten Epstein-Akten. Stattdessen versucht das Weiße Haus, durch die Offenlegung von Geschworenenaussagen und ein Interview mit Ghislaine Maxwell, einer zentralen Mitangeklagten Epsteins, den Druck nach mehr Transparenz zu mindern – bislang ohne Erfolg.
🔍 Was enthalten die „Epstein-Akten“?
Nach Einschätzung ehemaliger FBI-Ermittler und Bundesanwälte umfassen die internen FBI-Akten weit mehr als nur Gerichtsunterlagen oder Anklageschriften:
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Zeugenvernehmungen, Notizen, interne Einschätzungen
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Hinweise auf weitere involvierte Personen ohne formelle Anklage
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Beweismaterial aus Razzien, u. a. in Epsteins Anwesen in New York und den US Virgin Islands
Die Unterlagen reichen bis in die frühen 2000er-Jahre zurück, als Epstein in Florida wegen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger ermittelt wurde. Die damalige „milde“ Einigung mit der Staatsanwaltschaft führte zu einem nur 13-monatigen Gefängnisaufenthalt – ein Deal, der später massive Kritik hervorrief.
🏛️ Warum zögert die Trump-Regierung?
Obwohl Trump 2019 noch Transparenz im Fall Epstein versprach, geht seine Regierung nun auf Konfrontationskurs. Mehrere Republikaner, darunter Thomas Massie und Lauren Boebert, fordern die Veröffentlichung der Akten – mit geschwärzten Passagen zum Schutz von Opfern und laufenden Ermittlungen.
Doch Justizministeriums-Memos aus dem Juli legen nahe, dass keine weitere Freigabe geplant ist. Begründung: In den Akten fänden sich keine ausreichenden Beweise für neue Ermittlungen – eine Einschätzung, die Kritiker für voreilig halten.
👥 Brisante Namen und politische Dimension
Trump selbst soll in den Unterlagen mehrfach namentlich erwähnt sein, wie US-Medien berichten. Die langjährige Bekanntschaft zwischen Trump und Epstein ist gut dokumentiert – gemeinsame Besuche, Partys in den 90er-Jahren und Epsteins Anwesen in der Nähe von Trumps Mar-a-Lago-Club. Trump behauptet heute, Epstein verbannt zu haben, nachdem dieser „Personal vom Spa gestohlen“ habe – darunter Virginia Giuffre, eine zentrale Zeugin, die Anfang des Jahres Suizid beging.
Auch andere prominente Namen tauchen im Umfeld Epsteins auf – etwa Bill Clinton, Ehud Barak oder Kevin Spacey. Viele davon haben nie eine Anklage gesehen, doch ihre bloße Erwähnung befeuert Spekulationen.
⚖️ Was sagen ehemalige Ermittler?
Mehrere Ex-FBI-Beamte weisen darauf hin, dass die großen Verschwörungstheorien rund um Epstein mitverantwortlich für das enorme öffentliche Interesse sind. Laut Katherine Schweit, Ex-FBI-Agentin, enthält ein Großteil der Akten sensible Aussagen von Dritten, die nicht zwangsläufig strafrechtlich relevant seien – deren Veröffentlichung könnte Unschuldige in Misskredit bringen.
Gleichzeitig sagen Fachleute: Eine geordnete Offenlegung – etwa mit geschwärzten Namen – könnte auch entlasten, zum Beispiel Personen, die bislang mit Epstein in Verbindung gebracht wurden, aber unschuldig sind. Schauspieler Kevin Spacey forderte am 15. Juli auf X (vormals Twitter):
„Veröffentlicht die Epstein-Akten. Alle. Wer nichts zu verbergen hat, braucht die Wahrheit nicht zu fürchten.“
🧭 Transparenz vs. Schutz der Justiz
Die große Frage bleibt: Wie viel Offenheit ist vertretbar, ohne Ermittlungen zu gefährden oder Persönlichkeitsrechte zu verletzen?
Die Trump-Regierung betont den Schutz von Opfern und aktiven Ermittlungen. Kritiker vermuten jedoch politisches Kalkül – vor allem, weil der Chef der Aufsichtsbehörde ein Trump-Loyalist ist, der erst kürzlich den von Biden ernannten Vorgänger ersetzt hat.
Ehemalige Ethikbeamte warnen: Das Vertrauen in die Unabhängigkeit von Justiz und Aufklärung stehe auf dem Spiel.
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