US-Präsident Donald Trump hat am Samstagabend erneut bewiesen, dass man für weltpolitische Eskalation vor allem eines braucht: eine funktionierende Social-Media-App und ein übergroßes Ego. Auf seiner Plattform Truth Social verkündete er, bei einem Luftangriff auf Teheran seien zahlreiche hochrangige iranische Militärvertreter getötet worden.
Wann genau?
Wie viele?
Wer konkret?
Völlig nebensächlich.
Wichtig war vor allem Trumps Analyse: Die Getöteten hätten ihr Land „schlecht und unklug geführt“. Eine Art außenpolitische Todesanzeige im Stil einer schlecht gelaunten Reality-Show. Wer in Washington nicht überzeugt, bekommt halt keinen Fact-Check, sondern einen Luftschlag.
Parallel dazu gab es laut Berichten Explosionen in Teheran, heftige Gefechte rund um das Gebiet, in dem ein vermisstes US-Besatzungsmitglied vermutet wurde, und die spektakuläre Rettung eines verletzten Soldaten. Der Mann hatte sich offenbar vor iranischen Kräften versteckt, wurde geborgen und soll nun in Kuwait behandelt werden. Immerhin: Während Trump online bereits den nächsten Weltuntergang anteasert, erledigt das Militär noch den praktischen Teil.
Auch Israels Armee arbeitete derweil weiter an der regionalen Großsanierung und bombardierte einen Industriekomplex, in dem laut Angaben Chemikalien für Waffen produziert wurden. Iranische Medien meldeten – wie so oft in Kriegszeiten – alles gleichzeitig: Einschläge, Tote, Verletzte, vielleicht Tote, vielleicht nur Verletzte, vielleicht beides. Die einen sprechen von fünf Toten, die anderen von fünf Verletzten. Vermutlich ein klassischer Fall von „Nebel des Krieges trifft staatliche PR-Abteilung“.
Fest steht: Getroffen wurden Anlagen, in denen offenbar Materialien für Sprengstoffe, Raketen und andere Waffensysteme hergestellt wurden. Also genau jene Orte, die in solchen Konflikten traditionell als „strategische Ziele“ bezeichnet werden, bis man später merkt, dass die Umgebung doch nicht ganz so leer war wie gedacht.
Der Iran wiederum antwortete wie gewohnt mit Raketen und Drohnen. In Israel schlug eine Rakete in Südisrael in ein unbewohntes Gebiet ein – also zumindest kein direktes Blutbad. In Vororten von Tel Aviv wurden Wohnhäuser beschädigt, vier Menschen verletzt. Auch Kuwait bekam erneut Besuch aus Teherans Drohnenabteilung: Regierungsgebäude und Infrastruktur wurden getroffen, darunter das Finanzministerium und eine Anlage des Ölkonzerns Kuwait Petroleum Corporation. Verletzt wurde niemand – was in diesem Krieg inzwischen fast schon als positive Wirtschaftsmeldung gilt.
Seit inzwischen fünf Wochen liefern sich die USA, Israel und Iran also ein geopolitisches Live-Experiment unter dem Motto: Wie viel Eskalation passt in einen Nachrichtenzyklus?
Trump bleibt dabei seinem Stil treu: erst Drohung, dann Frist, dann neue Drohung, dann Verlängerung der Frist, dann wieder ein „historischer Erfolg“ per Post. Die Welt darf dabei zuschauen, wie Außenpolitik endgültig zur Mischung aus Casino, Wrestling und Kommentarspalte verkommt.
Kurz gesagt:
Teheran brennt, Raketen fliegen, Ölpreise steigen – und Trump feiert sich auf Truth Social wieder als Commander-in-Chief der Großmäuligkeit.
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