Bei einer Gedenkveranstaltung für den konservativen Aktivisten Charlie Kirk hat US-Präsident Donald Trump eine überraschende Ankündigung gemacht: Seine Regierung werde am 22. September eine Erklärung zu den Ursachen von Autismus veröffentlichen.
„Ich glaube, Sie werden erstaunt sein“, sagte Trump vor den Anwesenden in Glendale, Arizona. „Wir haben eine Antwort gefunden.“ Die Erklärung bezeichnete er als eine der größten Ankündigungen „in der Geschichte des Landes“. Gemeinsam mit Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und Mehmet Oz, Leiter der US-Behörde für Medicare und Medicaid Services, will Trump die Ergebnisse vorstellen.
Möglicher Zusammenhang mit Tylenol
Laut Berichten von Politico und der Washington Post will die Regierung dabei die These vertreten, dass die Einnahme des Schmerzmittels Tylenol (Wirkstoff Acetaminophen) während der Schwangerschaft das Risiko für Autismus bei Kindern erhöhen könnte. Zudem sollen neue Behandlungsansätze – unter anderem das Medikament Leucovorin – vorgestellt werden.
Robert F. Kennedy Jr. hatte bereits im Frühjahr eine Untersuchung angestoßen, deren Ergebnisse im September veröffentlicht werden sollen. Demnach könnten „Interventionen“ wie die Einnahme bestimmter Medikamente an der Entstehung von Autismus beteiligt sein.
Experten widersprechen
Fachgesellschaften wie die Society for Maternal-Fetal Medicine (SMFM) und das American College of Obstetricians and Gynecologists (ACOG) halten dagegen: Acetaminophen sei weiterhin ein „sicheres und bewährtes“ Mittel gegen Schmerzen während der Schwangerschaft. Sie verweisen darauf, dass unbehandelte Schmerzen oder Fieber für Mutter und Kind erhebliche Risiken bergen könnten.
„Die bisherige wissenschaftliche Evidenz reicht nicht aus, um einen klaren Zusammenhang zwischen Acetaminophen und Autismus oder ADHS herzustellen“, erklärte SMFM-Präsidentin Sindhu K. Srinivas am 5. September.
Kontroverse um Ursachen von Autismus
Kennedy, der schon früher durch impfkritische Positionen aufgefallen ist, spricht von einer „Autismus-Epidemie“ in den USA, die durch Umweltfaktoren ausgelöst werde. Wissenschaftlich ist jedoch unklar, welche Faktoren die Krankheit genau verursachen. Viele Forscher gehen von einem komplexen Zusammenspiel aus genetischen und umweltbedingten Einflüssen aus.
Zwar haben die Autismus-Diagnosen in den USA seit dem Jahr 2000 deutlich zugenommen, die Gesundheitsbehörde CDC führt dies jedoch vor allem auf eine verbesserte Früherkennung und eine breitere Diagnostik zurück. 2022 wurde bei 1 von 31 Kindern bis zum achten Lebensjahr Autismus festgestellt – ein Anstieg gegenüber 1 von 36 im Jahr 2020.
Einordnung
Ob die Ankündigung der US-Regierung tatsächlich neue wissenschaftliche Erkenntnisse bringt oder eher Teil einer politischen Strategie ist, bleibt abzuwarten. Klar ist: Die Diskussion über mögliche Ursachen von Autismus wird damit neu entfacht – zwischen wissenschaftlicher Vorsicht und politischer Zuspitzung.
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