US-Präsident Donald Trump hat kürzlich einen seiner Wirtschaftsberater für einen Spitzenposten bei der US-Notenbank (Federal Reserve) nominiert, doch seine nächste Personalentscheidung dürfte deutlich weitreichender sein: die Auswahl des nächsten Fed-Vorsitzenden.
Am Donnerstag schlug Trump den Ökonomen des Weißen Hauses, Stephen Miran, vor, vorübergehend einen vakanten Sitz im Board of Governors der Fed zu übernehmen. Die Ernennung muss noch vom Senat bestätigt werden.
Gleichzeitig führt die Trump-Regierung Gespräche mit Kandidaten für den Posten des Fed-Chefs. Der amtierende Vorsitzende Jerome Powell, mit dem Trump seit Langem im Streit liegt, weil dieser seine Forderungen nach Zinssenkungen nicht erfüllt hat, hat noch bis Mai Amtszeit. Trump hat mehrfach geäußert, dass er die Nominierung Powells inzwischen bereut.
Diese Woche hat die Suche nach einem Nachfolger mehrere Wendungen genommen: Finanzminister Scott Bessent ist laut Trump nicht mehr im Rennen. Dagegen hat Fed-Gouverneur Christopher Waller in Trumps Umfeld überraschend an Boden gewonnen. Außerdem stehen zwei Republikaner namens Kevin weiterhin auf der Shortlist: der frühere Fed-Gouverneur Kevin Warsh und der Ökonom des Weißen Hauses Kevin Hassett. Auch Miran könnte – sollte er bestätigt werden – den Präsidenten so sehr beeindrucken, dass er zum Fed-Chef aufsteigt.
Laut „Wall Street Journal“ hat Trump seine Liste zudem um James Bullard, den früheren Präsidenten der Federal Reserve Bank of St. Louis, erweitert.
Waller punktet bei Trump
Waller, den Trump 2020 in den Fed-Vorstand berief, galt lange als wichtiger Kommunikator der Fed-Politik. Nach den starken Zinserhöhungen 2022 und 2023 hörten Investoren genau hin, wenn Waller sprach, um Hinweise auf mögliche Zinssenkungen zu erhalten.
Im vergangenen Monat gehörte Waller zu den zwei Fed-Gouverneuren, die gegen die Entscheidung stimmten, die Zinsen unverändert zu lassen, und stattdessen eine Senkung forderten – die erste Doppel-Abweichung dieser Art seit 1993. In seiner Begründung erklärte Waller, Zölle führten nur einmalig zu höheren Preisen und verursachten keine anhaltende Inflation. Eine Zinssenkung sei nötig, um den Arbeitsmarkt zu stützen. Dieser Dissens hat laut Insiderquellen seine Chancen bei Trump deutlich erhöht.
Das Duell der „Kevins“
Kevin Warsh, ein enger Trump-Vertrauter, wurde schon im Frühjahr als möglicher Powell-Nachfolger gehandelt. Warsh lehnt die weit verbreitete Ansicht ab, dass Zölle die Inflation anheizen, und sieht eher die Fed in der Verantwortung. Er ist mit Jane Lauder, der Enkelin der Estée-Lauder-Gründerin, verheiratet – eine persönliche Verbindung zur Trump-Familie.
Auch Kevin Hassett, langjähriger Republikaner und wirtschaftspolitischer Unterstützer Trumps, gilt als Favorit. Hassett verteidigt Trumps Zollpolitik und sieht keine gravierenden Auswirkungen für US-Verbraucher. Er genießt hohes Vertrauen im Weißen Haus und punktet mit Loyalität.
Beide, Warsh wie Hassett, betonen die Unabhängigkeit der Fed.
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