Präsident Donald Trump hat Google öffentlich dazu aufgefordert, den spanischsprachigen Sender Univision wieder auf die Streaming-Plattform YouTube TV zurückzubringen. Die Plattform hatte den Sender vor etwa einer Woche aus dem Programm genommen, nachdem keine Einigung über einen neuen Verbreitungsvertrag erzielt werden konnte.
In einem Beitrag auf Truth Social am Samstagabend schrieb Trump:
„Dass Univision – der führende spanischsprachige Sender in den USA – bei YouTube TV nicht mehr verfügbar ist, ist SEHR SCHLECHT für die Republikaner bei den bevorstehenden Midterms.“
Er forderte Google auf, „im Sinne der Fairness“ Univision den Zugang zur Plattform wieder zu ermöglichen. Trump bezeichnete den Sender zudem als einen zentralen politischen Kommunikationskanal für die Republikaner – insbesondere zur Hispanic-Community, auf die er auch in seiner eigenen Kampagne setzte.
Senderausfall wird politisch instrumentalisiert
Während es sich bei solchen Auseinandersetzungen üblicherweise um wirtschaftliche Vertragsstreitigkeiten handelt, hat der aktuelle Fall eine politische Dimension angenommen. Univision selbst hat laut Medienberichten bereits Unterstützung von Politikern mobilisiert – und nun auch vom früheren Präsidenten.
Univision-CEO Daniel Alegre bedankte sich auf Social Media bei Trump und sagte:
„Vielen Dank, Präsident Trump, für die Anerkennung der Bedeutung von Univision und der hispanischen Community. Es ist unsere Priorität, Univision zurück auf YouTube TV zu bringen.“
Alegre betonte zudem den Anspruch des Senders, „die Stimme von Hispanic-Amerika“ zu repräsentieren.
Google kontert: Univision „kleiner Teil des Konsums“
Google bzw. YouTube TV sieht den Streit nüchterner. Ein Sprecher teilte CNN mit, man sei weiterhin offen für Verhandlungen, aber die Forderungen von TelevisaUnivision seien unrealistisch.
„TelevisaUnivision hat über 160 Millionen Abonnenten auf YouTube und verdient dort Werbeeinnahmen. Auf YouTube TV hingegen machen sie nur einen kleinen Teil des Konsums aus.“
YouTube TV ist eine schnell wachsende Plattform, die als Alternative zu klassischen Kabel- und Satellitenangeboten fungiert und Nutzern für eine monatliche Gebühr ein Senderpaket bietet.
Persönlicher Bezug Trumps zu Univision
Trump hat offenbar auch persönliche Gründe, sich einzuschalten. In seinem Beitrag erwähnte er, Univision habe ihm einst die „quotenstärkste politische Spezialsendung aller Zeiten“ gewidmet und ihm geholfen, Rekordergebnisse bei Wähler:innen mit hispanischem Hintergrund zu erzielen.
Der Sender selbst ist in den vergangenen Jahren unter neuer Eigentümerschaft auf eine gemäßigtere politische Linie eingeschwenkt – was in konservativen Kreisen positiv aufgenommen wurde.
Brisanter Zeitpunkt: Trump und YouTube schließen Vergleich
Brisant ist der Zeitpunkt von Trumps öffentlichem Appell: Nur wenige Tage zuvor hatte YouTube eine rechtliche Einigung mit Trump erzielt. Dieser hatte die Plattform verklagt, nachdem sie ihn 2021 nach dem Sturm auf das Kapitol vom 6. Januar gesperrt hatte.
Im Rahmen des Vergleichs zahlte YouTube 22 Millionen Dollar an eine gemeinnützige Stiftung zur Renovierung des Weißen Hauses – konkret zur Unterstützung eines neuen Staatsempfangssaals im National Mall-Projekt.
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