US-Präsident Donald Trump hat in gewohnt konfrontativem Ton erneut deutlich gemacht, dass er kein baldiges Handelsabkommen mit Kanada erwartet. „Wir hatten mit Kanada nicht wirklich viel Glück“, sagte Trump am Freitag vor seinem Abflug nach Schottland. „Ich denke, das wird eher ein Fall für Zölle als für Verhandlungen.“
Trump hatte Kanada zuvor eine Frist bis zum 1. August gesetzt, um ein neues Handelsabkommen auszuhandeln – andernfalls sollen auf kanadische Produkte Zölle in Höhe von 35 % erhoben werden. Bereits jetzt gelten 25 % auf bestimmte Importe, 50 % auf Aluminium und Stahl sowie 25 % auf Fahrzeuge, die nicht in den USA gebaut wurden.
Protektionismus als Strategie
Der Kurs der Trump-Regierung steht zunehmend in der Kritik. Die Strategie, durch Strafzölle Druck auf Handelspartner auszuüben, hat global bereits für Spannungen gesorgt. Kanada ist für die USA einer der wichtigsten Handelspartner; rund 75 % der kanadischen Exporte gehen in die Vereinigten Staaten. Besonders die eng verflochtene Automobilindustrie beider Länder wäre von weiteren Zöllen hart getroffen.
Premierminister Mark Carney erklärte zuletzt, Kanada werde sich „nicht auf einen schlechten Deal einlassen“. Auch nach zweitägigen Gesprächen in Washington äußerte sich der kanadische Minister für intergouvernementale Angelegenheiten, Dominic LeBlanc, zurückhaltend: „Die Verhandlungen verlaufen produktiv, aber wir sind noch nicht am Ziel.“
EU sieht „gefährliches Signal“
Die EU-Kommission reagierte mit Sorge auf Trumps Aussagen. Ein Sprecher in Brüssel erklärte: „Die protektionistische Eskalation der USA gefährdet nicht nur bilaterale Beziehungen, sondern schwächt die regelbasierte internationale Handelsordnung.“ In Diplomatenkreisen war von einem „gefährlichen Signal“ an andere Handelspartner die Rede.
Die EU selbst hatte in den letzten Jahren wiederholt Erfahrung mit Strafzöllen aus Washington gemacht – besonders im Bereich Stahl, Aluminium und Agrarprodukte.
Symbolpolitik statt Substanz
Wirtschaftsexperten sehen Trumps Vorgehen zunehmend als innenpolitisch motivierte Symbolpolitik. „Strafzölle schaden am Ende den eigenen Verbrauchern durch höhere Preise und destabilisieren internationale Lieferketten“, sagte Dr. Elise Merten vom European Centre for Trade Policy. Der Versuch, mit Drohgebärden kurzfristige politische Punkte zu sammeln, könne langfristig die Glaubwürdigkeit der USA als verlässlicher Wirtschaftspartner untergraben.
Ob Kanada bis zum 1. August dem Druck nachgibt, bleibt fraglich. Die Regierung in Ottawa betont, dass sie sich nicht erpressen lasse – und zunehmend wächst auch in Europa die Bereitschaft, sich von den USA wirtschaftlich unabhängiger aufzustellen.
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