Während seines Treffens mit dem britischen Premierminister Keir Starmer in Schottland hat US-Präsident Donald Trump erneut versucht, sich von dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein zu distanzieren. Dabei äußerte er sich am Montag so ausführlich wie nie zuvor über seine frühere Bekanntschaft mit dem verstorbenen Finanzier – ein Thema, das ihn selbst auf internationalem Parkett nicht loslässt.
„Ich habe ihn rausgeworfen, er war persona non grata“, sagte Trump während einer Pressekonferenz auf seinem Golfresort. Der Bruch mit Epstein sei erfolgt, nachdem dieser ihm gegenüber „unangemessen“ gehandelt habe – konkret habe Epstein Personal von Trump abgeworben, trotz einer vorherigen Warnung.
Zeichnung, Insel, Vorwürfe – Trump streitet alles ab
Trump ging auch auf einen Bericht des Wall Street Journal ein, laut dem er Epstein 2003 eine Geburtstagskarte mit einer obszönen Zeichnung geschickt habe. „Ich bin kein Zeichner. Ich mache keine Zeichnungen von Frauen – das kann ich Ihnen sagen“, so der Präsident. Er kündigte rechtliche Schritte gegen das Medium an und bezeichnete das Schreiben als „Fälschung“.
Zudem stellte er klar: „Ich war nie auf Epsteins Insel. Ich habe die Einladung abgelehnt.“ Viele in Palm Beach seien eingeladen worden, er jedoch habe „in einem seiner besseren Momente“ abgesagt.
Epstein-Affäre überschattet Außenpolitik
Trumps Aussagen markieren einen deutlichen Bruch mit seiner bisherigen Taktik, die Epstein-Affäre als „Hoax“ oder „Fake News“ abzutun. Offenbar wächst der Druck: Selbst aus dem eigenen politischen Lager gibt es Kritik an der mangelnden Transparenz im Umgang mit den sogenannten Epstein-Files. Auch Vizepräsident J.D. Vance äußerte sich am Montag: Zwar lobte er Trump für seine Forderung nach Offenlegung glaubwürdiger Informationen, verwies jedoch auf frühere US-Präsidenten, insbesondere Barack Obama und George W. Bush, die „zu nachsichtig“ mit Epstein umgegangen seien.
Vance erinnerte an den Deal von 2007, der Epstein nur 13 Monate Haft wegen Prostitution mit Minderjährigen einbrachte – ausgehandelt von Alex Acosta, der später Trumps Arbeitsminister wurde.
Trump gegen „Ablenkungsmanöver“
Trump beschuldigte wiederum Obama, das Thema Russlandintervention 2016 instrumentalisiert zu haben, um seine Präsidentschaft zu untergraben – eine Darstellung, die von unabhängigen Stellen mehrfach widerlegt wurde. Obama habe, so Trump, „eine falsche Erzählung erschaffen“, um ihn zu schwächen.
Die Epstein-Debatte überschattet laut dem Weißen Haus wichtige außen- und handelspolitische Themen. „Er [Epstein] ist tot“, so Trump. „Ich will mich auf Handelsabkommen konzentrieren – wie jenes mit der EU, das größte in der Geschichte.“
Hintergrund:
Jeffrey Epstein starb 2019 in Untersuchungshaft. Sein Tod wurde offiziell als Suizid gewertet. Seitdem sorgen Gerüchte über ein mögliches Netzwerk von Mitwissern und Kunden weiter für Spekulationen – auch um Ghislaine Maxwell, die kürzlich beim Supreme Court Berufung gegen ihre Verurteilung eingelegt hat.
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