Russische Drohnen dringen tief nach Polen ein, der Westen spricht von verschärften Sanktionen – und Donald Trump wittert seine Gelegenheit. Der US-Präsident, der einst die NATO als „obsolet“ beschimpfte, präsentiert sich nun als deren angeblicher Schutzpatron. Doch sein Versprechen, Moskau mit harten Maßnahmen zu treffen, kommt nicht ohne Preisschild: Europa soll gefälligst chinesische Waren mit Strafzöllen belegen und russisches Öl boykottieren – sonst gibt es von Washington keine „wesentlichen Sanktionen“.
Auf seiner hauseigenen Plattform Truth Social posaunte Trump am Samstag, er sei „bereit“, den Druck auf Russland zu erhöhen – allerdings nur, wenn alle NATO-Partner ihm folgen und zugleich das wirtschaftliche Feuer auf China eröffnen. Mit 50 bis 100 Prozent Zollschranken soll Europa in Washingtons Wirtschaftskrieg eingespannt werden. „So beenden wir diesen tödlichen, aber lächerlichen Krieg“, fabulierte Trump.
Europa im Schraubstock zwischen Abhängigkeit und Erpressung
Für die USA ist China seit Trumps Wiedereinzug ins Weiße Haus der erklärte Hauptgegner, und Europa soll gefälligst die Drecksarbeit im Zollkrieg übernehmen. Dass der Kontinent zugleich auf amerikanische Sicherheitsgarantien angewiesen ist, macht die Erpressung perfekt. NATO-Solidarität wird zur Verhandlungsmasse, transatlantische Treue zur Geschäftsbedingung.
Und während Trump europäische Staaten an den Pranger stellt, die noch russisches Öl importieren – allen voran Ungarn und die Slowakei –, wird es pikant: Ausgerechnet mit Viktor Orbán, dessen Regierung weiterhin von russischer Energie lebt, verbindet Trump eine ideologische Männerfreundschaft.
Macron nickt – wider besseres Wissen
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gibt sich verständnisvoll und nennt Trumps Empörung „gerechtfertigt“. In Wahrheit weiß Europa längst, dass seine Ölimporte aus Russland drastisch gesunken sind – ganz eingestellt aber eben nicht. Über die Pipeline „Druschba“ fließt weiterhin russisches Öl Richtung Budapest und Bratislava. Ein unbequemer Restposten, den Trump nun zum Hebel für seine geopolitischen Spiele macht.
Fazit
Trump instrumentalisiert die NATO wie ein Geschäftsimperium: Loyalität gibt es nicht aus Prinzip, sondern nur gegen Zölle und Ölverzicht. Aus einem Verteidigungsbündnis wird unter seiner Hand ein Marktplatz, auf dem Solidarität zur Ware verkommt. Und Europa muss entscheiden, ob es bereit ist, diese Art „Schutzgeldpolitik“ widerstandslos zu schlucken.
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