Donald Trump trampelt wieder – diesmal durch das transatlantische Porzellanlager namens Handelsdiplomatie. Mit seiner jüngsten Drohung, Kanada mit 100 % Strafzöllen zu belegen, sollte es ein Freihandelsabkommen mit China abschließen, stellt sich die Frage: Hat sich der US-Präsident mit seiner Elefantenrolle selbst ins Abseits manövriert – oder ist das Kalkül?
Kanada jedenfalls bleibt unbeeindruckt – und das mit gutem Grund. Premierminister Mark Carney und Außenministerin Anita Anand reagieren mit bewundernswerter Gelassenheit auf die Attacken aus Washington. Keine Retourkutsche, kein Empörungsritual. Stattdessen Souveränität, Sachlichkeit und eine klare Botschaft: Kanada lässt sich nicht einschüchtern.
Der „Gouverneur“-Versprecher war keiner
Trumps beleidigende Herabstufung Carneys zum „Gouverneur“ – so, als sei Kanada ein untergeordneter Bundesstaat – ist mehr als nur ein rhetorischer Ausrutscher. Es ist ein Ausdruck einer außenpolitischen Haltung, in der Partnerländer als Spielbälle, nicht als gleichwertige Akteure gelten. Dass Trump sogar von der „Annexion Kanadas“ schwadronierte, ist ein weiterer Eintrag ins mittlerweile beachtlich absurde Kapitel seiner bilateralen Provokationen.
Doch anders als früher tanzt niemand mehr nach seiner Pfeife. Kanada demonstriert, dass Selbstachtung, wirtschaftliche Unabhängigkeit und außenpolitische Haltung auch ohne Lautstärke möglich sind.
Der eigentliche Affront: Sachlichkeit
Denn der eigentliche Affront aus Trumps Sicht ist wohl nicht das geplante Abkommen mit China – sondern die Tatsache, dass Carney ihn in Davos nicht einmal namentlich erwähnte und dennoch seine gesamte Politik infrage stellte. Seine Warnung vor einem autoritären Rückfall in der Weltordnung und der Appell an Mittelmächte, ihre Stimme zu erheben, traf Trump offenkundig empfindlich. Die stehenden Ovationen für Carney waren nicht bloß höflich – sie waren ein Signal.
Nicht alle Eier in Trumps Korb
Anstatt auf Trumps Zoll-Drohungen hysterisch zu reagieren, bekräftigt Kanada seine Strategie der Diversifizierung. Außenministerin Anand brachte es lakonisch auf den Punkt: „Wir legen nicht alle Eier in einen Korb.“ Ein klarer Hinweis, dass Kanada sich wirtschaftlich breiter aufstellen will – und zwar unabhängig davon, wie oft Trump mit Strafzöllen droht und sie dann wieder zurückzieht.
Kanadas Weg ist dabei keineswegs konfrontativ, sondern pragmatisch. Ja, man respektiert das Nordamerika-Abkommen (USMCA). Ja, man informiert wie vereinbart die Partner über Drittland-Verhandlungen. Aber man lässt sich nicht mehr einschüchtern – und das ist neu.
Strategie statt Stimmung
Während Trump mit markigen Sprüchen und tagesformabhängigen „Deals“ hantiert, baut Kanada auf langfristige strategische Partnerschaften. Das geplante China-Abkommen mag wirtschaftlich ambitioniert sein – geopolitisch ist es ein Signal: Wir reden mit allen, nicht nur mit dem lautesten Nachbarn.
Dass Carney die Bevölkerung zum Kauf heimischer Produkte aufruft, ohne Trump überhaupt zu erwähnen, ist klug. Denn nichts entzieht einem lauten Gegner mehr Kraft als demonstrative Sachlichkeit. Die Regierung konzentriert sich auf das, was sie beeinflussen kann – nicht auf das Getöse aus Washington.
Fazit: Trumps Elefantenrolle – aber wer räumt hinterher auf?
Trump mag sich selbst als Elefant im Porzellanladen sehen – als starke, furchtlose Kraft, die verkrustete Systeme aufbricht. Doch wie jeder Elefant, der wütend durch einen Antiquitätenladen stürmt, stellt sich die Frage: Wer zahlt am Ende den Scherbenhaufen? Und: Hilft dieses Dauergetrampel wirklich noch seinem Land – oder längst nur noch seinem Ego?
Kanada zeigt derweil, dass man auch ohne Porzellan zerschlagen klug, stark und international handlungsfähig bleibt. Vielleicht ist genau das die größte Provokation für Trump: Dass jemand ganz ohne Krawall erfolgreicher Politik machen kann.
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