Die US-amerikanische Studentin Lindsay Hecox, die im Mittelpunkt eines prominenten Verfahrens vor dem Supreme Court zu Transgender-Athlet*innen steht, hat das Gericht darum gebeten, ihre Klage nicht weiterzuverfolgen.
Hecox, Senior-Studentin an der Boise State University im Bundesstaat Idaho, erklärte, sie fürchte öffentliche Anfeindungen sowie Nachteile beim Studienabschluss, sollte das Verfahren weitergeführt werden.
„Seit Beginn dieses Falls stehe ich unter öffentlicher Beobachtung und Kritik aus bestimmten Kreisen“, heißt es in Hecox’ Antrag vom 2. September. „Ich nehme zudem eine zunehmende gesellschaftliche Intoleranz gegenüber Transpersonen wahr – insbesondere gegenüber Transfrauen, die im Sport aktiv sind.“
Politisch und rechtlich aufgeladene Debatte
Mehr als die Hälfte der US-Bundesstaaten haben mittlerweile Gesetze verabschiedet, die Transgender-Athlet*innen die Teilnahme an Frauensportarten an Schulen untersagen. Die Befürworter argumentieren mit dem Schutz vor angeblichen Wettbewerbsvorteilen. Die Gesetze berücksichtigen jedoch nicht, wie weit die Betroffenen im geschlechtlichen Übergang (Transition) fortgeschritten sind oder über welche sportliche Qualifikation sie verfügen.
Auch der frühere US-Präsident Donald Trump hatte sich im Wahlkampf 2020 gegen die Teilnahme von Transgender-Athlet*innen im Frauensport ausgesprochen. Unter seiner Regierung wurden Versuche unternommen, Bundesmittel von Schulen zu streichen, die solche Teilnahmen ermöglichen.
Zwei Fälle vor dem Supreme Court
Neben Hecox hatte auch eine Jugendliche aus West Virginia gegen ein entsprechendes Verbot geklagt. In beiden Fällen entschieden untere Instanzen zugunsten der Klägerinnen. Die Bundesstaaten legten daraufhin Berufung beim Supreme Court ein, der im Juli ankündigte, beide Fälle zu prüfen.
Nach Hecox’ Rückzug bleibt offen, ob der Supreme Court nun nur noch den Fall aus West Virginia verhandeln wird. Die Anwälte des Bundesstaates Idaho plädieren hingegen dafür, dass der Fall trotz des Rückzugs weitergeführt wird.
Hecox hatte bis zuletzt für das Frauensoccer-Team der Boise State University gespielt, erklärte nun jedoch, sie habe die „extrem schwierige Entscheidung“ getroffen, sich vollständig aus dem Frauensport zurückzuziehen. Ihre Anwält*innen erklärten, dass ihr vorrangiges Ziel nun sei, „ihr Studium erfolgreich abzuschließen und ein sicheres, gesundes Leben zu führen“.
Sie fordern deshalb, das Urteil des neunten US-Berufungsgerichts in San Francisco – das zugunsten von Hecox ergangen war – aufzuheben. Das Gericht hatte damals festgestellt, dass Idahos Gesetz mit großer Wahrscheinlichkeit eine Diskriminierung von Transgender-Frauen darstelle. Idaho habe zudem nicht belegen können, inwiefern das Gesetz tatsächlich mehr Chancengleichheit für Frauen im Sport schaffe.
Verhandlungstermin steht noch aus
Der Supreme Court wird in seiner kommenden Sitzungsperiode ab Oktober auch prüfen, ob das Gesetz in West Virginia gegen bundesrechtliche Bestimmungen zum Schutz vor geschlechtsbasierter Diskriminierung in öffentlichen Schulen verstößt. Ein Termin für mündliche Anhörungen wurde bislang nicht bekanntgegeben.
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