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Tourismusboom in Puerto Rico: Zwischen wirtschaftlichem Erfolg und Herausforderungen

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Puerto Rico erlebt einen beispiellosen Anstieg des Tourismus. Im vergangenen Jahr reisten über 6,6 Millionen Menschen per Flugzeug auf die Karibikinsel – ein Rekord und eine Steigerung von 8 % im Vergleich zum Vorjahr. Doch während der Tourismus die Wirtschaft stärkt, wächst auch die Sorge um die Umwelt, steigende Lebenshaltungskosten und den kulturellen Wandel.

Wirtschaftlicher Aufschwung durch Tourismus

Der Tourismussektor steuerte 7,6 Milliarden US-Dollar zur Wirtschaft Puerto Ricos bei und machte 6,6 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus. Zum Vergleich: In Hawaii liegt dieser Anteil bei etwa 17 %. Die wachsende Zahl an Besuchern führte zu einem 5%igen Wachstum im Gastgewerbe.

„Wir sind nicht gegen Tourismus – wir brauchen ihn. Aber er muss verantwortungsvoll gestaltet sein“, sagt Nilda García, Präsidentin der Umweltorganisation Coalición Pro Corredor Ecológico del Noreste.

Touristenflut und ihre Folgen

Vor allem die Hauptstadt San Juan bleibt das Hauptziel der meisten Reisenden. 66 % der Touristen halten sich dort auf, doch inzwischen erkunden auch 39 % die Ostküste, 29 % den Süden und 29 % den Westen der Insel. Initiativen wie „Discover Puerto Rico“ fördern bewusst weniger bekannte Regionen und bieten Unterstützung für lokale Unternehmen.

Dennoch gibt es Probleme. In Naturschutzgebieten wie dem Nordost-Korridor, einer wichtigen Brutstätte für die bedrohte Lederschildkröte, hinterlassen Touristen Müll oder missachten Schutzgebiete. „Wir sehen immer wieder ATVs (Geländefahrzeuge), die durch Dünen rasen oder Pferde, die über Schildkrötennester trampeln“, berichtet García.

Gentrifizierung und steigende Lebenshaltungskosten

Ein weiteres Problem: Der Immobilienmarkt. Immer mehr Touristen kaufen Häuser auf der Insel, was zu steigenden Mietpreisen führt. „Viele Einwohner werden aus ihren eigenen Gemeinden verdrängt“, warnt Arturo Massol Deyá von der Organisation Casa Pueblo. Besonders betroffen sind beliebte Orte wie Luquillo und Rincón, wo ehemals günstige Essensstände von teuren Restaurants für Touristen ersetzt wurden.

Puerto Rico steht somit vor einer entscheidenden Frage: Wie kann das Tourismuswachstum nachhaltig gestaltet werden, ohne die einheimische Bevölkerung zu verdrängen oder die Umwelt zu zerstören?

Nachhaltiger Tourismus als Lösung?

Um dem entgegenzuwirken, fördern lokale Organisationen nachhaltige Tourismuskonzepte. So bietet Casa Pueblo Programme an, bei denen Touristen sich aktiv in Gemeinden einbringen können. Unternehmen wie Roca Norte Climbing Gym oder Finca Gaia kombinieren Agrartourismus mit kulturellen Erlebnissen.

Die Idee eines „Voluntourism“-Modells, das soziale Projekte in den Reiseablauf integriert – ähnlich wie in Hawaii – wird ebenfalls diskutiert.

„Wir wollen keinen Tourismus, bei dem Besucher nur Strände genießen und wieder verschwinden“, betont Massol Deyá. „Tourismus sollte langfristige Beziehungen zur Insel schaffen.“

Ein Wendepunkt für Puerto Rico

Mit 82 % Zustimmung der Bevölkerung zum Tourismus als wirtschaftlichem Motor ist klar: Die Branche bleibt ein Schlüssel für die Zukunft der Insel. Doch ohne Regulierung könnten Umweltschäden und soziale Ungleichheiten langfristig die Attraktivität Puerto Ricos gefährden.

Puerto Rico steht an einem Wendepunkt – zwischen unkontrolliertem Massentourismus und der Chance, ein Modell für verantwortungsbewusstes Reisen zu werden.

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