Das verheerende Feuer in der Bar Le Constellation im Schweizer Skiort Crans-Montana, bei dem in der Silvesternacht mindestens 40 Menschen ums Leben kamen, ist nach ersten Erkenntnissen sehr wahrscheinlich durch Wunderkerzen an Champagnerflaschen ausgelöst worden. Das teilten Schweizer Behörden am Freitag mit. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen möglicher strafrechtlicher Verantwortung aufgenommen.
Nach Angaben der Ermittler kamen die brennenden Wunderkerzen, die von Bar-Mitarbeitern während der Neujahrsfeier an Champagnerflaschen getragen wurden, zu nahe an die Decke des Lokals. Dort entzündeten sie offenbar das Deckenmaterial. In der Folge kam es zu einem sogenannten Flashover – einem plötzlichen Vollbrand, bei dem sich nahezu der gesamte Raum innerhalb von Sekunden entzündet.
Flashover ließ kaum Flucht zu
Der Sicherheitsdirektor des Kantons Wallis, Stéphane Ganzer, erklärte auf einer Pressekonferenz, dass es in der Bar zwar einen Notausgang gegeben habe. Dennoch hätten die meisten Menschen diesen vermutlich nicht finden können.
„Es scheint, dass die meisten versucht haben, den Raum über den Haupteingang zu verlassen“, sagte Ganzer. „Aber bei einem Flashover mit extrem dichter Rauchentwicklung ist es praktisch unmöglich, etwas zu sehen. Man muss davon ausgehen, dass die Mehrheit den Notausgang nicht mehr finden konnte.“
Zeugen berichteten von panikartigen Szenen, als sich Rauch und Feuer rasend schnell ausbreiteten. Neue Videos zeigen Chaos und Verzweiflung, als Gäste verzweifelt versuchten, aus der überfüllten Bar zu entkommen.
Akustikmaterial im Fokus der Ermittlungen
Besonders im Fokus der Untersuchungen steht das Akustikmaterial an der Decke des im Untergeschoss befindlichen Lokals. Bilder, die in sozialen Netzwerken kursieren, zeigen, wie Flammen direkt an der Decke ausbrechen, während mehrere Champagnerflaschen mit brennenden Wunderkerzen in die Höhe gehalten werden.
Die leitende Staatsanwältin Beatrice Pilloud bestätigte, dass alle bisherigen Hinweise darauf hindeuteten, dass die Wunderkerzen den Brand ausgelöst haben. Gleichzeitig werde geprüft, ob das verwendete Akustikmaterial den gesetzlichen Vorschriften entsprach.
„Die Ermittlungen befassen sich mit der Installation dieses Schaummaterials und den damit verbundenen Umständen“, so Pilloud. „Zum jetzigen Zeitpunkt können wir noch nicht sagen, ob dieses Material vorschriftsmäßig installiert wurde oder nicht.“
Ein externer Brandschutzexperte bezeichnete das Material laut Medienberichten als potenziell extrem brandgefährlich – vergleichbar mit „Plastikbenzin“.
Dutzende Verletzte, Identifizierung dauert an
Neben den Todesopfern wurden rund 119 Menschen aus neun europäischen Ländern verletzt. In der Nacht des Feuers wurden allein im Regionalspital Sion 55 Schwerverletzte behandelt. Nach Angaben des Spitaldirektors Eric Bonvin konnten 13 von ihnen inzwischen entlassen werden.
Aktuell befinden sich noch elf Personen in dem Krankenhaus, darunter vier auf der Intensivstation. Sieben weitere werden chirurgisch behandelt. Insgesamt wurden 28 Verletzte in andere Schweizer oder ausländische Kliniken verlegt.
Die Behörden warnten, dass sich die Zahlen noch ändern könnten, da sie sich nur auf bereits identifizierte Personen beziehen. Die Identifizierung der Todesopfer könne „mehrere Tage“ dauern. Mehrere Menschen gelten weiterhin als vermisst, darunter auch ein Jugendlicher, der mit Freunden Silvester gefeiert hatte.
Ermittlungen laufen
Die Staatsanwaltschaft untersucht nun mögliche Verstöße gegen Sicherheitsvorschriften, Fragen der Verantwortlichkeit sowie die baulichen und materiellen Gegebenheiten des Lokals. Auch frühere Kontrollen und Genehmigungen stehen auf dem Prüfstand.
Währenddessen trauert Crans-Montana um die Opfer einer der schwersten Brandkatastrophen in der jüngeren Schweizer Geschichte.
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