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Tod von Alex Pretti: Smartphone-Videos entlarven Trumps Sicherheitsapparat – und könnten politischer Wendepunkt werden

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay
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Es sind nur wenige Sekunden Video – verwackelt, roh, von Zivilisten gefilmt. Doch zusammengeschnitten ergeben sie ein erschütterndes Bild: Den letzten Moment im Leben von Alex Pretti, einem 37-jährigen Krankenpfleger aus Minneapolis, der bei eisigen Temperaturen auf offener Straße von einem Agenten der US-Grenzpolizei (Border Patrol) erschossen wurde.

Die offiziellen Aussagen aus dem Heimatschutzministerium (Department of Homeland Security) klingen ganz anders. Man habe es mit einem „bewaffneten Täter“ zu tun gehabt, der „maximalen Schaden“ anrichten wollte, so Ministerin Kristi Noem. Doch die Videos zeigen ein anderes Szenario: Pretti filmte die Szene mit seinem Handy, half einer am Boden liegenden Frau – und wurde daraufhin zu Boden gedrückt und umringt von schwer bewaffneten Beamten. Die tödlichen Schüsse fielen erst, nachdem seine legal registrierte Waffe bereits beschlagnahmt worden war.

„Ihre Augen lügen nicht“ – Der Satz, der bleibt

„Your eyes don’t lie“ – „Ihre Augen lügen nicht“, sagte die demokratische Senatorin Amy Klobuchar in einer Talkshow. Und in einem Land, in dem Smartphones zur wichtigsten Kontrollinstanz gegenüber staatlicher Macht geworden sind, könnte dieser Fall für Präsident Trump zum politischen Bumerang werden.

Schon jetzt drohen erste Konsequenzen: Der Senat steht kurz davor, ein milliardenschweres Haushaltsgesetz zu blockieren – wegen der vorgesehenen 10 Milliarden US-Dollar für ICE und Border Patrol. Senator Angus King kündigte an, unter diesen Umständen nicht zustimmen zu können, auch wenn das einen Regierungsstillstand bedeuten könnte.

Widerstand auch aus den eigenen Reihen

Selbst innerhalb der Republikanischen Partei wächst die Nervosität. James Comer, ein Trump-treuer Kongressabgeordneter aus Kentucky, schlug öffentlich vor, die ICE-Einheiten zumindest aus Minneapolis abzuziehen, um „weitere Todesfälle zu vermeiden“. Senator Bill Cassidy forderte eine „unabhängige Untersuchung“ – gemeinsam durch Bundes- und Landesbehörden.

Auf den Straßen zeigen sich längst die Auswirkungen: Proteste von New York bis Los Angeles, mit Bildern, die an George Floyds Tod 2020 erinnern. Auch damals löste ein Handyvideo eine landesweite Protestwelle aus – diesmal sind es mehrere Clips, aus verschiedenen Winkeln, die einen tödlichen Polizeieinsatz gegen einen unbewaffneten Zivilisten dokumentieren.

ICE im Kreuzfeuer – die Stimmung kippt

Die Unterstützung für Trumps harte Linie in der Einwanderungspolitik bröckelt. Laut einer aktuellen Umfrage von New York Times/Siena College sagen 60 % der US-Bürger, dass ICE „zu weit gegangen“ sei – unter den politisch unabhängigen Wählern sind es sogar 70 %. Und das war vor dem Tod von Alex Pretti.

Hinzu kommen weitere Fälle, die viral gingen: Eine Frau, erschossen im Auto. Ein Fünfjähriger in Hasenmütze, von ICE-Beamten abgeführt. Ein alter Mann, nur in Unterwäsche, aus seinem Haus gezerrt – später stellte sich heraus, er war gar nicht die gesuchte Person.

Politische Dynamik: Gefahr für Trump – Chance für Kritiker

Die politischen Folgen könnten erheblich sein. Zwar gelang es Trump in der Vergangenheit, Kritik an Sicherheitsbehörden in seine Erzählung von „law & order“ umzuleiten. Doch der Fall Pretti zeigt eine neue Qualität: Ein US-Bürger, ein Pfleger für Veteranen, erschossen – gefilmt – widerlegt.

Gleichzeitig mehren sich Stimmen von links, die nun wieder lauter fordern: „Abolish ICE“ – „ICE abschaffen“. Wie schon nach George Floyd droht auch diesmal eine Spaltung der demokratischen Partei in gemäßigte und progressive Lager. Doch aktuell steht vor allem Trump unter Druck. Nicht nur wegen des Schusses, sondern wegen der politischen Verantwortung für eine Eskalation, die er selbst durch massive Truppenentsendung in US-Städte ausgelöst hat.

Fazit: Das Video als Wahrheit – und als Waffe

Das politische Amerika hat sich verändert. Heute reicht keine Pressekonferenz mehr, kein Statement von oben. In Zeiten allgegenwärtiger Kameras gilt: Wer lügt, wird überführt. Wer zusieht, wird Zeuge.

Der Tod von Alex Pretti ist mehr als ein tragischer Vorfall. Er ist ein Testfall für die Demokratie – und ein Wendepunkt für einen Präsidenten, der glaubt, mit militärischem Durchgreifen innenpolitisch punkten zu können. Doch was bleibt, ist eine einfache Erkenntnis: Die Kameras laufen. Und die Bilder sprechen für sich.

 

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