Also wirklich – wer braucht Netflix, wenn man das US-Zollchaos mitverfolgen kann? Präsident Trump verkündet neue Zölle auf Truth Social mit der feierlichen Gravitas eines QVC-Moderators („JETZT! 15 % ZOLL! Nur heute Nacht!“), während die EU-Kommission noch denkt, der ganze Spuk beginne erst morgen. Zeitverschiebung? Nein, nur Realitätsverschiebung.
WIFO-Chef Gabriel Felbermayr spricht diplomatisch von „Unsicherheiten“ – was ökonomisch für „Was zur Hölle passiert hier eigentlich?“ steht. Und er hat recht: Keiner weiß, ob aus 15 % bald 50 werden, ob Container in US-Häfen Wurzeln schlagen oder ob Schweizer Uhrenteile künftig mit Zollstempeln aus Texas veredelt werden. Besonders spannend: Wie will man bitte kontrollieren, ob ein Schokoladenriegel in Basel oder in Innsbruck verpackt wurde? Per DNA-Test?
Die Schweiz trifft’s mit satten 39 % Zöllen, also quasi einem freundlichen „Bleibt uns vom Hals“. Man spricht dort bereits von der „Attacke gegen die Schweiz“. Wäre das ein Film, hieße er wohl: „From Neutrality to Nightmare – die Rückkehr der Handelskriege“.
Besonders leidtragend: die deutschen Autobauer. Sie haben von der transatlantischen Zollharmonie offenbar genauso viel wie vom Berliner Flughafen: hohe Erwartungen, wenig Ergebnis. Während man in Stuttgart noch auf „Klarheit“ hofft, rotiert irgendwo ein amerikanischer Zöllner ratlos vor einem Container voller Türgriffe – Made in EU, lackiert in China, montiert in Mexiko.
Und während sich der transatlantische Zollzirkus weiterdreht, bleibt nur zu hoffen, dass wenigstens jemand Popcorn ohne Importzoll bekommt.
Fazit: Wer dachte, die EU-USA-Beziehungen könnten nicht komplizierter werden, hat die Rechnung ohne den neuen „Welt-Zoll-Dirigenten“ gemacht. Willkommen im Club der protektionistischen Possen.
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