Die beliebte Video-App TikTok darf vorerst weiter in den USA betrieben werden. Wie das Weiße Haus bestätigte, hat TikTok einem vorläufigen Übernahme-Deal zugestimmt, der eine Mehrheitsbeteiligung amerikanischer Investoren vorsieht. Damit ist eine vollständige Sperrung der App – von der rund 170 Millionen Nutzer:innen in den USA betroffen wären – zunächst abgewendet.
US-Präsident Donald Trump hatte das Vorhaben in den vergangenen Monaten aktiv vorangetrieben. Der Deal sieht vor, dass TikToks US-Geschäft in eine neue amerikanisch dominierte Unternehmensstruktur ausgegliedert wird. Das US-Technologieunternehmen Oracle wird dabei nicht nur als Sicherheitsdienstleister, sondern auch als zentraler Datenverwalter fungieren.
Trump: Murdoch, Dell und Ellison „wahrscheinlich an Bord“
Obwohl offizielle Namen der Investoren bislang nicht bestätigt wurden, nannte Trump in einem Interview mit Fox News unter anderem Oracle-Mitgründer Larry Ellison, Tech-Milliardär Michael Dell sowie Medienmogul Rupert Murdoch und dessen Sohn Lachlan als mögliche Mitglieder des Konsortiums.
Die bekannte Beteiligungsgesellschaft Silver Lake wurde vom Weißen Haus ebenfalls als Teil des Investorenpools bestätigt. Ein endgültiger Abschluss des Milliarden-Deals wird Anfang 2026 erwartet.
TikTok-Algorithmus kommt unter US-Kontrolle
Ein zentrales Element der Vereinbarung: Der TikTok-Algorithmus, das Herzstück der Plattform, soll künftig vom neuen US-Unternehmen verwaltet und von Oracle überwacht werden. Ziel ist es, „Missbrauch und Spionage“ auszuschließen, so ein Regierungsvertreter.
Außerdem werde sämtlicher Datenverkehr ausschließlich auf Servern in den USA gespeichert – ohne Zugriffsmöglichkeit aus China. Dennoch sollen amerikanische Nutzer:innen weiterhin Inhalte von TikTokern weltweit sehen können.
China gibt grünes Licht – Trump will Dekret unterzeichnen
Auch ByteDance, die chinesische Muttergesellschaft von TikTok, hat laut US-Regierung dem grundsätzlichen Rahmen des Deals zugestimmt. Eine offizielle Unterzeichnung stehe noch aus, ebenso wie eine wettbewerbsrechtliche Überprüfung.
Der chinesische Präsident Xi Jinping soll in einem Telefonat mit Trump am 19. September Zustimmung signalisiert haben. Laut chinesischem Außenministerium respektiere man „den Marktmechanismus“ und sehe die Gespräche als „vereinbar mit nationalem Recht“.
Trump plant, im Laufe der Woche eine Executive Order zu unterzeichnen, um den TikTok-Deal offiziell zu unterstützen und das TikTok-Verbot erneut um 120 Tage auszusetzen, um Zeit für die Abwicklung des Verkaufs zu schaffen.
Eigentümerstruktur: US-Mehrheit, China mit Sitz im Vorstand
Nach Angaben des Weißen Hauses wird ByteDance weniger als 20 % der Anteile an TikTok US halten dürfen. Sechs von sieben Vorstandssitzen werden durch Amerikaner besetzt, ein Sitz bleibt für ByteDance reserviert.
Ein Vertreter der Regierung sagte, man sei „100 % zuversichtlich“, dass die chinesische Regierung dem Deal endgültig zustimmen werde.
Ein Strategiewechsel bei Trump – TikTok als Wahlkampfinstrument
Der Deal kommt nach jahrelanger Unsicherheit. Schon Präsident Joe Biden hatte 2024 ein Gesetz unterzeichnet, das TikTok in den USA verbietet, sofern ByteDance sein US-Geschäft nicht verkauft.
Trump, der TikTok ursprünglich ebenfalls verbieten wollte, hat seine Position inzwischen deutlich geändert – nicht zuletzt wegen seiner Beliebtheit bei jungen Wähler:innen. Er lobte die Plattform jüngst für ihren Einfluss auf seine Wiederwahlkampagne 2024.
Fazit: Mit dem geplanten Verkauf von TikToks US-Geschäft an amerikanische Investoren scheint ein jahrelanger Streit vorerst beigelegt. Die Umsetzung könnte jedoch neue politische und wirtschaftliche Fragen aufwerfen – sowohl in den USA als auch in China.
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