In den frühen Morgenstunden haben Tierschützer der internationalen Aktivistengruppe „Animal Rebellion“ die Hauptzufahrt zur Molkerei Sachsenmilch im sächsischen Leppersdorf (Landkreis Bautzen) blockiert und damit erhebliche Verkehrsbehinderungen ausgelöst. Die Aktion richtete sich nach eigenen Angaben gegen die ganzjährige Anbindehaltung von Milchkühen, eine Haltungsform, die nach Ansicht von Tierschützern nicht mehr zeitgemäß ist und massives Tierleid verursacht.
Bei der ganzjährigen Anbindehaltung stehen die Tiere ihr Leben lang an einem festen Platz, fixiert durch Ketten oder Gurte. Sie können weder frei umherlaufen noch sich umdrehen. Kritiker verweisen auf die physischen und psychischen Belastungen, die daraus entstehen, während Befürworter auf die Tradition und geringere Investitionskosten verweisen.
Nach Polizeiangaben beteiligten sich rund 20 bis 30 Aktivisten an der Blockade. Einige von ihnen ketteten sich an die Zufahrtsbarrieren oder positionierten Fahrzeuge quer, um den Zugang zum Betriebsgelände zu versperren. Laut einem MDR-Bericht führte die Aktion zu einem Rückstau von bis zu 150 Lkw, die teilweise stundenlang warten mussten.
Die Protestierenden forderten, dass Sachsenmilch – eine Tochter des Lebensmittelkonzerns Unternehmensgruppe Theo Müller – künftig keine Milch mehr von Höfen bezieht, die ganzjährige Anbindehaltung praktizieren. „Es gibt längst tierfreundlichere und moderne Haltungsformen. Die Industrie muss endlich umdenken, statt Tierqual mit Milliardengewinnen zu finanzieren“, erklärte ein Sprecher von „Animal Rebellion“.
Sachsenmilch selbst reagierte bislang nicht mit einer offiziellen Stellungnahme auf die Vorwürfe. Das Unternehmen ist einer der größten Milchverarbeiter Europas und beliefert sowohl den deutschen als auch den internationalen Markt.
Die Polizeidirektion Görlitz war mit mehreren Einsatzfahrzeugen vor Ort, um die Sicherheit zu gewährleisten und mögliche Eskalationen zu verhindern. Ob die Beamten die Zufahrt räumten oder auf Verhandlungen setzten, blieb zunächst unklar. Auch mögliche strafrechtliche Konsequenzen für die Beteiligten – etwa wegen Nötigung oder Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz – werden derzeit geprüft.
Die Aktion reiht sich in eine Serie von Protesten ein, mit denen Tierschutzorganisationen in ganz Deutschland auf Missstände in der industriellen Tierhaltung aufmerksam machen wollen. Befürworter loben den öffentlichen Druck, um gesetzliche Verbesserungen zu erzwingen. Kritiker hingegen verurteilen die Methoden als unverhältnismäßig, da sie wirtschaftliche Abläufe lahmlegen und unbeteiligte Dritte – in diesem Fall Spediteure und Lieferanten – treffen.
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