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The Kings Speech

Lahiru_Ferdinandiz (CC0), Pixabay
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„Kein König!“ – Trump reagiert auf Proteste wie ein König

Redaktion: Millionen Amerikaner sind am Wochenende unter dem Motto „No Kings“ auf die Straße gegangen – ein deutliches Zeichen gegen autoritäre Tendenzen in den USA. Präsident Trump antwortete… mit einem Meme, das ihn als König zeigt. Was ist da los?

Stephen Collinson (CNN-Analyst): Eigentlich müsste ein Präsident empört sein, wenn man ihn mit einem Monarchen vergleicht. Aber Trump? Der feierte das geradezu. Er postete ein AI-generiertes Bild, auf dem er als „KING TRUMP“ in einem Kampfjet Protestierende mit Abwasser bombardiert. Vizepräsident JD Vance lieferte ebenfalls ein Meme: Demokraten knien in einem Königshof ehrfürchtig vor Trump.

Redaktion: Was will man mit so einer grotesken Inszenierung erreichen?

Collinson: Es ist ein cleveres Spiel mit der Wahrnehmung. Einerseits wird der Vorwurf autoritärer Allüren ins Lächerliche gezogen. Andererseits wird genau das Bild gefestigt, das Protestierende kritisieren: Ein Präsident, der sich für unantastbar hält, über dem Gesetz steht und Widerspruch verspottet. Für einen Teil seiner Anhänger ist das sogar attraktiv: Sie wollen einen „starken Mann“, der aufräumt – koste es, was es wolle.

Redaktion: Welche Aktionen lassen diesen Vorwurf konkret werden?

Collinson: Trump hat gerade das Strafmaß gegen Ex-Abgeordneten George Santos massiv gesenkt – trotz dessen Schuldeingeständnisses wegen Betrugs. Davor forderte er öffentlich, Ex-FBI-Chef Comey und New Yorks Generalstaatsanwältin Letitia James anzuklagen. Wenige Wochen später waren sie es. Das riecht nach selektiver Justiz. Auch außenpolitisch wird es bedenklich: Er lässt mutmaßliche Drogenhändler auf hoher See ohne Gerichtsverfahren töten – mit der Begründung, es handle sich um Terroristen. Ganz nebenbei hat er CIA-Operationen in Venezuela autorisiert.

Redaktion: Und das alles ohne Rücksprache mit dem Kongress?

Collinson: Genau. Selbst republikanische Senatoren wie Rand Paul sehen das als verfassungswidrig. Die Gewaltenteilung wird ausgehöhlt, Kriegsentscheidungen am Parlament vorbei getroffen. Man bewegt sich in Richtung eines Präsidialsystems ohne parlamentarische Kontrolle – oder wie die Protestierenden sagen: eines Königreichs.

Redaktion: Die Proteste waren riesig. Trotzdem hat das Weiße Haus sie als „Witz“ abgetan.

Collinson: Trump selbst sagte, sie seien „klein, sehr ineffektiv“ und die Teilnehmer „nicht repräsentativ für das Land“. Seine Sprecherin ging noch weiter und beschimpfte Demonstrierende pauschal als „Hamas-Terroristen und Kriminelle“. Das ist eine gezielte Delegitimierung friedlichen Protests – auch das ein bekanntes Werkzeug autoritärer Führung.

Redaktion: Aber es waren doch Millionen auf der Straße?

Collinson: Genau. Laut Veranstaltern über sieben Millionen – in allen 50 Bundesstaaten. Das ist keine radikale Randgruppe. Viele kamen aus der politischen Mitte, besorgt über das, was sie als Abbau der Demokratie empfinden. Manche kamen als George Washington verkleidet, andere als Freiheitsstatue – mit viel Kreativität, aber klarer Botschaft: Keine Alleinherrschaft, keine Selbstjustiz, keine Ignoranz gegenüber dem Rechtsstaat.

Redaktion: Gibt es bei Trump überhaupt noch ein Gespür für demokratische Grenzen?

Collinson: Eher nicht. Sein Umfeld reagiert inzwischen reflexartig mit Spott und Verachtung auf Kritik. Als eine CNN-Reporterin beim Weißen Haus um Stellungnahme zu den Protesten bat, kam nur zurück: „Who cares?“„Wen interessiert’s?“ Das sagt eigentlich alles.


Kommentar der Redaktion:
Wenn jemand wie ein König handelt, sich wie ein König darstellt und seine Kritiker wie Untertanen behandelt – dann braucht man kein Krönchen mehr, um zu erkennen, was er ist. Ironischerweise hat Donald Trump mit seiner Reaktion genau das bestätigt, was die „No Kings“-Bewegung anprangert.

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