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„Teig aus der Tüte“ – Jede zweite Bäckerei arbeitet inzwischen mit Fertigmischungen

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Der Duft von frisch gebackenem Brot, die Kruste knackig, das Innere saftig – so stellt man sich traditionelles Handwerk vor. Doch hinter den Kulissen vieler Bäckereien sieht die Realität längst anders aus: Rund jede zweite Bäckerei in Deutschland nutzt heute Fertig- oder Teilmischungen, wie aktuelle Branchenbefragungen zeigen.

Was früher noch als Ausnahme galt, ist mittlerweile Standard – und zwar quer durch alle Betriebsgrößen. Ob Brötchen, Kuchen oder Roggenbrot: Industriell hergestellte Backmischungen kommen immer häufiger zum Einsatz, um Zeit, Personal und Kosten zu sparen.

Zwischen Tradition und Rationalisierung

Während die Branche nach außen mit Handwerkskunst und regionalen Rezepturen wirbt, steht sie intern unter enormem wirtschaftlichen Druck. Steigende Energiepreise, hohe Löhne und Fachkräftemangel zwingen viele Betriebe, effizienter zu arbeiten.
Fertig-Mischungen versprechen einfache Handhabung und gleichbleibende Qualität – Eigenschaften, die besonders in Filialketten und Großbäckereien geschätzt werden.

Doch Traditionalisten schlagen Alarm: „Das ist kein echtes Handwerk mehr, das ist Backen nach Baukastenprinzip“, kritisiert ein Bäckermeister aus Bayern. Der Einsatz von Fertigmischungen nehme dem Produkt seine Individualität – und den Bäckern ihre Kreativität.

Kunden merken den Unterschied kaum

Geschmacklich ist der Unterschied für viele Verbraucher kaum wahrnehmbar. Moderne Mischungen enthalten präzise abgestimmte Enzyme, Stabilisatoren und Aromen, die Frische und Konsistenz optimieren. Die Kunden greifen morgens zum Brötchen – und wissen oft gar nicht, dass es industriell vorbereitet wurde.

Branchenvertreter betonen dagegen, dass Fertigmischungen nicht zwangsläufig minderwertig seien: „Auch mit industriellen Zutaten kann handwerklich gearbeitet werden“, so ein Sprecher des Zentralverbands des Deutschen Bäckerhandwerks.

Handwerk unter Druck

Dennoch bleibt die Frage, wohin sich das Bäckerhandwerk entwickelt. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der traditionellen Bäckereien in Deutschland mehr als halbiert. Viele Betriebe können gegen Supermarkt- und Discountbäckereien kaum noch bestehen.
Die Folge: Rationalisierung, Standardisierung – und der Griff zur Fertigmischung.

So droht aus dem einst stolzen Handwerk ein industrielles Massenprodukt mit nostalgischem Etikett zu werden.
Ein erfahrener Bäcker bringt es auf den Punkt:
„Wir backen heute, was die Industrie vorgibt – und nennen es Handwerk.“

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