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Studie weist auf Gesundheitsrisiken stark verarbeiteter Lebensmittel hin

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Viele moderne Lebensmittel enthalten neben Fett, Zucker und Salz auch zahlreiche Zusatzstoffe, die Haltbarkeit und Geschmack verbessern sollen. Forschende warnen nun davor, dass stark verarbeitete Produkte immer mehr frische Nahrungsmittel im Alltag verdrängen und mit gesundheitlichen Risiken verbunden sein könnten. Gleichzeitig denkt die EU über neue steuerliche Maßnahmen nach.

Eine Serie von drei wissenschaftlichen Artikeln, die im Fachjournal The Lancet erschienen ist, beschreibt einen deutlichen Anstieg des Konsums solcher Produkte in vielen Ländern. In den USA und Großbritannien machen sie bereits rund die Hälfte der Ernährung aus. Für Österreich fehlen aktuelle Daten, doch Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass auch hierzulande ein erheblicher Teil der täglichen Ernährung aus hochverarbeiteten Lebensmitteln besteht.

Der brasilianische Epidemiologe Carlos Monteiro, einer der Autorinnen und Autoren der Studie, betont, dass wirtschaftliche Interessen großer Lebensmittelkonzerne diese Entwicklung mitprägen. Insgesamt 43 beteiligte Forscherinnen und Forscher sprechen sich für politische Maßnahmen aus, um den Konsum stark verarbeiteter Produkte zu senken.

EU erwägt höhere Besteuerung

Die EU-Kommission prüft derzeit eine Abgabe auf stark verarbeitete Lebensmittel mit hohem Zucker-, Fett- oder Salzgehalt. Ziel sei es, gesündere Ernährungsgewohnheiten zu fördern und gleichzeitig Anreize für die Industrie zu schaffen, ihre Rezepturen anzupassen. Einnahmen aus einer solchen Steuer könnten in Programme zur Gesundheitsförderung fließen.

Zahlreiche Studien sehen einen Zusammenhang zwischen dem häufigen Verzehr stark verarbeiteter Produkte und Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes, Adipositas, bestimmten Darmerkrankungen sowie Herz-Kreislauf-Leiden.

Was gilt als „stark verarbeitet“?

Unter „Ultra-processed Food“ (UPF) versteht man etwa Fertiggerichte, stark gesüßte Getränke, Snacks und Süßwaren. Die NOVA-Klassifikation, ein häufig verwendetes Modell, teilt Lebensmittel nach ihrem Verarbeitungsgrad in vier Gruppen ein – von frischen Nahrungsmitteln bis hin zu stark verarbeiteten Fertigprodukten.

Mitunter wird kritisiert, dass die Einteilung sehr breit ist: Auch Brot zählt etwa zur Kategorie „verarbeitete Lebensmittel“. In Gruppe 4 hingegen finden sich Produkte, deren Herstellung viele industrielle Schritte umfasst und die häufig Zusatzstoffe enthalten, die im privaten Haushalt üblicherweise nicht verwendet werden.

Ernährungswissenschafterin Maria Wakolbinger von der Medizinischen Universität Wien empfiehlt zur Orientierung die Zutatenliste: Enthält ein Produkt viele verschiedene Bestandteile oder Stoffe, die man aus der eigenen Küche nicht kennt, spreche das oft für einen hohen Verarbeitungsgrad.

Mögliche weitere Maßnahmen

Neben einer möglichen Steuer regen die Autorinnen und Autoren der Lancet-Serie zusätzliche Schritte an. Sie plädieren etwa dafür, wichtige Inhaltsstoffe – darunter Aromen, Farbstoffe und Süßungsmittel – auf der Vorderseite der Verpackung anzugeben.

Der US-Ernährungsforscher Barry Popkin sieht darin einen Beitrag zu mehr Transparenz für Konsumentinnen und Konsumenten.

Mehrere Forschende ziehen Parallelen zu früheren Maßnahmen im Kampf gegen das Rauchen: So wie damals brauche es heute eine breit angelegte internationale Strategie, sagt Karen Hofman von der University of the Witwatersrand, um Ernährungssysteme stärker an gesundheitlichen Bedürfnissen auszurichten.

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