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Strukturwandel in der Autoindustrie – Bayerische und süddeutsche Regionen besonders gefährdet

intographics (CC0), Pixabay
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Der Abschied vom Verbrennermotor verändert die deutsche Wirtschaftslandschaft tiefgreifend. Neue Zahlen zeigen, welche Regionen in besonderem Maße vom Wandel betroffen sind – und wo die Umstellung auf Elektromobilität bislang gelingt.

Die Autoindustrie war über Jahrzehnte der Motor des deutschen Wohlstands. Mehr als 3,2 Millionen Menschen arbeiten direkt oder indirekt für die Branche, davon rund 1,2 Millionen in der Produktion. Doch der Rückgang der Nachfrage nach Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, der internationale Wettbewerbsdruck und die Verlagerung von Produktionskapazitäten ins Ausland setzen das System zunehmend unter Druck.

Nach einer Analyse der Beratungsfirma IW Consult im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums hängt die wirtschaftliche Stabilität vieler Regionen stark von der Zukunft der Autohersteller und Zulieferer ab. Von den 400 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland gelten 116 Regionen als besonders stark abhängig von der Automobilproduktion – die Mehrheit davon in Bayern und Baden-Württemberg. Dort sind rund 860.000 Menschen beschäftigt, also fast drei Viertel aller Produktionsmitarbeitenden der Branche.

„Die deutsche Autoindustrie hat sich jahrelang eine goldene Nase verdient, dadurch aber auch eine enorme Fallhöhe aufgebaut“, sagt Studienautor Hanno Kempermann. Während sich der Markt in den 2010er-Jahren noch durch Rekordabsätze auszeichnete, herrscht inzwischen spürbare Ernüchterung. Der Wandel zur Elektromobilität, die schwächelnde Konjunktur und hohe Energiekosten belasten Hersteller und Zulieferer gleichermaßen.

Die Produktion in Deutschland ist in den vergangenen Jahren deutlich geschrumpft: Wurden 2014 noch 5,6 Millionen Autos gefertigt, waren es 2024 weniger als 4,1 Millionen. Zahlreiche Zulieferbetriebe klagen über Auftragseinbrüche, weil Komponenten für Verbrenner – etwa Motorteile oder Abgassysteme – in Elektrofahrzeugen kaum noch benötigt werden. Laut der Studie könnten bis 2030 rund 90.000 Stellen in der Industrie verloren gehen.

Besonders gefährdet sind Regionen, die seit Jahrzehnten stark vom Fahrzeugbau geprägt sind. Um die Folgen abzufedern, investieren viele Unternehmen in neue Geschäftsmodelle – von Batterietechnik über Recycling bis hin zu digitaler Fahrzeugsoftware. In einigen Gebieten, etwa um Ingolstadt, Wolfsburg oder Stuttgart, gelingt der Umbau bereits, unterstützt durch staatliche Förderprogramme und Qualifizierungsinitiativen.

Doch nicht alle Regionen können den Wandel gleich gut bewältigen. „Die Transformation droht die wirtschaftliche Ungleichheit zwischen den Regionen zu vergrößern“, warnt Kempermann. Während innovative Standorte neue Wertschöpfungspotenziale erschließen, geraten kleinere Zulieferbetriebe in strukturschwachen Gebieten zunehmend unter Druck.

Fest steht: Der Umstieg auf Elektromobilität ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern Realität. Für viele Beschäftigte bedeutet er eine Zeitenwende – und für die Autoregion Deutschland eine ihrer größten Bewährungsproben seit Beginn der Massenmotorisierung.

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