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Stressrepublik Deutschland: Ein Land zwischen Selbstoptimierung, Weltuntergang und Waldspaziergang

pedrofigueras (CC0), Pixabay
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Willkommen in Deutschland – dem Land, in dem zwei Drittel der Menschen gestresst sind und das letzte Drittel wahrscheinlich zu gestresst, um anzugeben, dass sie gestresst sind. Laut einer neuen Umfrage der Techniker Krankenkasse fühlt sich die Bevölkerung so angespannt wie ein Gummiband kurz vorm Reißen. Und das mitten in einem Alltag, der mit den Charmepunkten eines Akkubohrers daherkommt.

Die Symptome?
Ach, die Klassiker: Schlafprobleme, Erschöpfung, Verspannungen, Gereiztheit … also im Grunde das Grundgefühl, mit dem viele morgens aufstehen, bevor sie sich in den Tag schleppen. Scheinbar normal, denn der Bericht zeigt: Jeder dritte Mensch fühlt sich manchmal gestresst, jeder dritte häufig. Lediglich acht Prozent behaupten steif und fest, sie seien nie gestresst – vermutlich dieselben Menschen, die auch sagen: „Ich brauche keinen Kaffee, ich bin auch so wach.“

Gefragt wurden mehr als 1.400 Personen über 18 Jahren – repräsentativ natürlich, damit man das Gefühl bekommt: Ja, es betrifft wirklich alle. Und tatsächlich: Das Stressempfinden ist im Vergleich zu früheren Jahren weiter angestiegen. Überraschung: Eine Pandemie, eine Energiekrise, ein Krieg in Europa, Inflation und ein politisches Dauerstimmengewirr wirken nicht gerade wie Lavendelduft auf die nationale Psyche.

Die größte Stressquelle?
Die Deutschen selbst. 61 Prozent sagen, sie hätten zu hohe Ansprüche an sich selbst. Da wird es dann eng im Kopf, wenn man gleichzeitig:

– erfolgreich sein
– gesund leben
– sportlich bleiben
– freundlich wirken
– ständig verfügbar sein
– politisch informiert
– umweltbewusst
– und bitte, bitte, immer ruhig bleiben soll.

Kurz: Der moderne Deutsche ist ein wandelnder Hochleistungsanspruch mit WLAN.

Der Arbeitsplatz kommt mit 58 Prozent gleich hinterher. Verständlich: Schließlich besteht ein deutscher Arbeitstag aus einer Mischung aus Meeting-Marathon, Deadlines, E-Mail-Bombardement und dem oh so beliebten Satz: „Das müsste aber noch heute raus.“ Und wenn dann noch die Kaffeemaschine streikt, ist der Cortisolspiegel endgültig im Feiermodus.

Und dann wären da die politischen und gesellschaftlichen Probleme.
53 Prozent nennen sie als Stressfaktor. Kein Wunder – Deutschland verbringt gefühlt jeden zweiten Tag damit, neue Krisen zu diskutieren: Klima, Migration, Außenpolitik, Wirtschaft, Genderdebatten, Demokratiekrise, Digitalisierungsdrama. Das nationale Grundgefühl könnte man beschreiben als: „Irgendwas ist immer.“

Wie gehen die Menschen mit Stress um?
Mit denselben Strategien wie seit Jahren:

– Sie gehen spazieren. Am besten im Wald. Weil Bäume ja bekanntermaßen die Fähigkeit haben, Burn-out zu verhindern.
– Sie widmen sich Hobbys. Manche stricken, andere puzzeln, wieder andere tun so, als hätten sie Hobbys.
– Sie treffen geliebte Menschen. Also genau diejenigen, die manchmal auch der Stressauslöser sind.

Und die Wissenschaft erklärt natürlich auch, warum Stress so nervig ist:
Der Körper schüttet Adrenalin und Cortisol aus. Das war früher super, wenn man vor einem Mammut wegrennen musste. Heute rennt man eher vor Terminen weg – oder vor der Frage: „Kannst du das noch kurz erledigen?“ Evolutionär ist das alles also ein Upgrade ohne Bedienungsanleitung.

Das Problem: Stress wird gefährlich, wenn er nicht aufhört. Und viele erleben inzwischen, dass die Pause nach der Belastung ausfällt – so wie viele Bahnverbindungen am Wochenende. Der Körper fährt im Dauer-Alarmmodus. Und irgendwann rebelliert er: mit Symptomen, die man früher als „Nervosität“ bezeichnet hätte, heute aber als „allgemeine gesellschaftliche Grundspannung“.

Fazit:
Deutschland ist gestresst. Überraschend ist das nicht. Der Alltag besteht aus einem Mix aus Leistungsdruck, gesellschaftlichem Daueralarm und dem Wunsch, es allen recht zu machen – inklusive sich selbst. Und während die Zahlen weiter steigen, bleibt die Frage: Wann ist endlich wieder Mammutzeit? Damals war vieles einfacher. Da wusste man wenigstens noch, wovor man davonlief.

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