In Kanada steht der Postverkehr still: Tausende Beschäftigte der Canada Post haben landesweit ihre Arbeit niedergelegt. Briefe und Pakete werden derzeit nicht mehr zugestellt.
Der bundesweite Streik folgt auf die Ankündigung der kanadischen Regierung, eine Reihe tiefgreifender Reformen bei der staatlichen Postgesellschaft umzusetzen. Diese sehen unter anderem die Schließung mehrerer Postfilialen sowie das Ende der Haustürzustellung in vielen Städten vor.
Sinkende Briefmengen, steigender Druck
Wie viele andere staatliche Postunternehmen – etwa die Royal Mail in Großbritannien oder der US Postal Service – kämpft auch Canada Post seit Jahren mit massiven Rückgängen beim Briefverkehr. Die Digitalisierung hat das Briefvolumen drastisch reduziert, während Paketdienste und Logistikunternehmen zunehmend Marktanteile übernehmen.
Das Unternehmen verzeichnet seit Jahren erhebliche finanzielle Defizite und sieht sich zu Umstrukturierungen gezwungen, um wirtschaftlich überleben zu können.
Arbeitskampf um Löhne und Arbeitsbedingungen
Der aktuelle Ausstand hat jedoch nicht nur mit den geplanten Reformen zu tun. Bereits im vergangenen Jahr kam es zu einem mehrwöchigen Streik im Zuge eines Tarifstreits zwischen der Gewerkschaft der Postbeschäftigten (CUPW) und der Unternehmensführung. Streitpunkte waren unter anderem Löhne, Rentenregelungen und Arbeitszeiten.
Die Gewerkschaft kritisiert, dass die geplanten Kürzungen im Serviceangebot vor allem ländliche Gemeinden treffen würden, in denen Postzustellung ohnehin schon eingeschränkt sei. Außerdem befürchtet sie den Verlust Tausender Arbeitsplätze, sollte das Netz der Filialen weiter ausgedünnt werden.
Regierung drängt auf Reformen
Premierminister Mark Carney verteidigte die geplanten Maßnahmen und sprach von „notwendigen und überfälligen Veränderungen“, um Canada Post „wieder wirtschaftlich tragfähig“ zu machen.
„Die Welt der Kommunikation hat sich verändert – die Post muss sich mitverändern, wenn sie bestehen will“, sagte Carney in Ottawa.
Auswirkungen für Verbraucher
Während des Streiks kommt der Postverkehr im gesamten Land praktisch zum Erliegen. Laut Canada Post bleiben Briefe, Pakete und Einschreiben vorerst liegen. Online-Bestellungen und Rechnungsversand sind betroffen; einige Provinzverwaltungen warnen bereits vor Verzögerungen bei staatlichen Dokumenten und Steuerbescheiden.
Wie lange der Arbeitskampf dauern wird, ist offen. Beide Seiten signalisierten Verhandlungsbereitschaft, jedoch ohne konkreten Zeitplan. Sollte der Ausstand länger anhalten, drohen auch wirtschaftliche Folgen für den Handel und den Online-Versandsektor.
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