Stephen Miran, einer der wichtigsten Wirtschaftsexperten im Team von US-Präsident Donald Trump, hat am Dienstag seinen Rücktritt aus dem Council of Economic Advisers (CEA) des Weißen Hauses erklärt. Gleichzeitig behält er seinen Sitz im Gouverneursrat der US-Notenbank (Federal Reserve), wie aus einem Schreiben hervorgeht.
Miran hatte seit September 2025 eine Doppelfunktion inne – als Fed-Gouverneur und Berater im Weißen Haus, letzteres über unbezahlten Sonderurlaub. Eine eher ungewöhnliche Regelung, die nun endet: In seinem Rücktrittsschreiben betont Miran, er habe dem Senat zugesichert, das Weiße Haus zu verlassen, sollte er über Januar hinaus Teil des Fed-Rats bleiben.
Trump bereitet Umbau der Fed-Spitze vor
Miran trat als Fed-Gouverneur die Restlaufzeit eines vakanten Sitzes an, die zum 31. Januar endete. Dennoch bleibt er zunächst im Amt – was Trump strategischen Spielraum verschafft: Der Präsident plant, den ehemaligen Notenbanker Kevin Warsh zum neuen Fed-Chef zu ernennen, sobald die Amtszeit von Jerome Powell im Mai ausläuft.
Da nur ein amtierender Fed-Gouverneur den Vorsitz übernehmen kann – und keine Sitze frei sind –, könnte Trump Miran durch Warsh ersetzen und diesen dann zum Fed-Vorsitzenden ernennen. Ein komplexes Manöver, das Trumps zunehmende Einflussnahme auf die Zentralbank unterstreicht.
Miran: Lautstarker Befürworter schneller Zinssenkungen
Seit seinem Einstieg bei der Fed plädiert Miran öffentlich für stärkere Zinssenkungen. Er hat bei mehreren Sitzungen abweichend gestimmt und sich für Halbprozent-Senkungen ausgesprochen, während die Mehrheit der Fed vorsichtiger agierte.
Sein Rückzug aus dem Weißen Haus erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen: Trump kritisiert die Fed regelmäßig, attackiert Powell persönlich und fordert energisch niedrigere Zinsen. Powell wiederum sieht sich derzeit mit Ermittlungen durch Bundesstaatsanwälte konfrontiert – offenbar wegen Aussagen zur Renovierung des Fed-Hauptsitzes, was er als politisch motivierten Druck wertet.
Die Unabhängigkeit der US-Zentralbank steht damit so stark unter Druck wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
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