Startseite Allgemeines „Steckbrief aus Peking: Rapper gegen Reich der Mitte“
Allgemeines

„Steckbrief aus Peking: Rapper gegen Reich der Mitte“

mhdhg (CC0), Pixabay
Teilen

Es klingt wie ein schlechter Thriller – nur leider ist es keiner:
Die chinesische Polizei hat zwei taiwanesische Social-Media-Influencer auf die internationale Bühne katapultiert – mit nichts Geringerem als dem Vorwurf des Separatismus und einer Belohnung von umgerechnet rund 30.000 Euro für ihre Festnahme. Man kennt das sonst nur von Kopfgeldjägern in Westernfilmen oder intergalaktischen Kopfgeldaufträgen in „Star Wars“.

Die beiden „Staatsfeinde“?
Ein Rapper namens Chen Po Yuan – offenbar gefährlicher als gedacht – und der Kommentator Pa Chiung, dem nun Ruhm und Verfolgung in einem Atemzug widerfahren. Ihre „Verbrechen“: Kritik an der chinesischen Politik und das öffentliche Eintreten für ein selbstbestimmtes Taiwan.
Also Dinge, die man in einer Demokratie halt so macht.

Peking sieht das anders: Wer separatistisch denkt oder twittert, gilt als Gefahr für die nationale Sicherheit – auch wenn er 1.300 Kilometer entfernt lebt, in einem Land mit eigenem Parlament, eigener Regierung und eigenem Justizsystem. Kleiner Haken: Chinesisches Recht gilt in Taiwan schlicht nicht. Aber wer sich vom Rechtsstaat einschränken lässt, denkt zu klein, nicht wahr?

Taiwans Antwort?
Ein müdes Gähnen und ein Schulterzucken mit internationaler Bedeutung. Chen Po Yuan postete:

„Je stärker der Wind, desto stabiler bin ich.“
Ein Satz, der vermutlich bald auf T-Shirts, Poster und vielleicht sogar in Songtexten verewigt wird.

Und Pa Chiung?
Er verglich sich mit dem Abgeordneten Puma Shen, ebenfalls von China zur Persona non grata erklärt. Vielleicht eröffnet bald jemand eine „Separatisten-Spotify-Playlist“ – Titel: „Beijing’s Most Wanted“.

Was bleibt?
Ein weiteres Beispiel für Pekings Strategie: Wer nicht pariert, wird markiert. Einschüchterung durch Eskalation, internationale Rechthaberei auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Doch statt Angst zu säen, erzeugt das Ganze vor allem eins: Spott, Solidarität – und vermutlich ein paar neue Follower für Chen und Pa.

Und wer weiß – vielleicht ist das am Ende der Grund, warum sie überhaupt gesucht werden:
Weil sie mit Likes mehr Macht haben als manche mit Amt.

Kommentar hinterlassen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Kategorien

Ähnliche Beiträge
Allgemeines

Festgenommene Mariachi-Brüder in Texas wieder frei

Eine Familie aus Südtexas, zu der zwei junge Mariachi-Musiker gehören, ist nach...

Allgemeines

890 Euro gegen ein Flugzeug – Linz erlebt wohl kleinste Flugzeugpfändung der Welt

Manchmal braucht es für große Luftfahrtgeschichte nur 890 Euro – und einen...

Allgemeines

Eppstein

US-Behörden haben mit einer Durchsuchung der früheren Ranch des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey...

Allgemeines

Großbritannien: Unterhaus lehnt Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren ab

In Großbritannien wird es vorerst kein gesetzliches Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche...