Die US-amerikanische Billigfluggesellschaft Spirit Airlines hat zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres Insolvenzschutz nach Chapter 11 beantragt. Bereits ein erster Sanierungsversuch im vergangenen Jahr konnte die Airline nicht dauerhaft stabilisieren. Nun soll ein neuer Restrukturierungsprozess eingeleitet werden – während der Flugbetrieb nach Angaben des Unternehmens uneingeschränkt fortgeführt wird.
Flugbetrieb bleibt bestehen – Kunden sollen beruhigt werden
Spirit Airlines betonte, dass alle bestehenden Buchungen gültig bleiben und sämtliche geplanten Flüge durchgeführt werden. Mit dieser Zusicherung versucht die Airline, Vertrauen bei ihren Passagieren zu bewahren, um nicht zusätzlich in eine Abwärtsspirale aus stornierten Tickets und sinkender Nachfrage zu geraten.
Ursachen: Schuldenlast, Konkurrenz und hohe Kosten
Hintergrund der wiederholten Insolvenz ist eine Mischung aus strukturellen Problemen und aktuellen Belastungen:
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Hohe Schuldenlast: Bereits vor der Pandemie hatte Spirit Airlines Kredite aufgenommen, um ihre Flotte zu modernisieren und die Expansion voranzutreiben.
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Konkurrenzdruck: Neben den großen Netzwerkairlines wie American, Delta und United machen auch andere Billigflieger wie Southwest und JetBlue Spirit massiv Konkurrenz. Besonders JetBlue hatte 2022 versucht, Spirit zu übernehmen – der Deal scheiterte jedoch nach kartellrechtlichen Einwänden.
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Hohe Betriebskosten: Gestiegene Kerosinpreise, teure Wartung der Flotte und Engpässe bei Flugzeuglieferungen haben die Kosten zusätzlich in die Höhe getrieben.
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Schwache Nachfrage im Billigsegment: Nach der Corona-Pandemie reisen zwar wieder mehr Menschen, aber viele entscheiden sich für größere Airlines mit mehr Service, während Spirit als „Ultra Low Cost Carrier“ oft nur über den Preis punkten kann.
Zweiter Anlauf zur Restrukturierung
Mit dem erneuten Gang vor Gericht soll nun ein umfangreicher Sanierungsplan erarbeitet werden. Dabei geht es darum, Schulden neu zu verhandeln, unprofitable Routen zu streichen und das Geschäftsmodell wettbewerbsfähiger zu machen. Spirit setzt darauf, Investoren und Gläubiger ins Boot zu holen, um den Betrieb langfristig zu sichern.
Risiken und Ausblick
Ob die Airline diesmal erfolgreich saniert werden kann, ist offen. Experten warnen, dass das Geschäftsmodell von Ultra-Billigfliegern in den USA zunehmend unter Druck steht: steigende Kosten, anspruchsvollere Kundenerwartungen und ein stärker regulierter Markt erschweren die Profitabilität. Sollte die Restrukturierung erneut scheitern, könnte auch eine Zerschlagung oder ein Verkauf von Teilen des Unternehmens bevorstehen.
Für Passagiere gilt vorerst Entwarnung: Die Flüge gehen weiter, und kurzfristige Einschränkungen sind nicht zu erwarten. Doch die Zukunft von Spirit Airlines bleibt ungewisser denn je – der zweite Insolvenzantrag innerhalb eines Jahres zeigt, wie tief die Probleme tatsächlich reichen.
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