Der schreckliche Amoklauf in Graz hat viele Menschen erschüttert – und ebenso viele haben spontan ihre Solidarität gezeigt. Mehr als 600 Personen und Organisationen spendeten insgesamt über 37.000 Euro für die Hinterbliebenen. Nun steht jedoch der Verdacht im Raum, dass ein großer Teil dieses Geldes nie dort angekommen ist, wo er dringend gebraucht würde.
Nach Recherchen von profil und Datum soll hinter dem Spendenaufruf keine Betroffene, sondern eine einschlägig bekannte Betrügerin stehen. Von den gesammelten Summen sollen lediglich gut 2.000 Euro tatsächlich Hinterbliebenen übergeben worden sein – der Rest ist offenbar verschwunden. Die Polizei ermittelt.
Egal, wie die strafrechtliche Bewertung am Ende ausfallen wird: Schon der Verdacht wiegt schwer. Mitgefühl und Hilfsbereitschaft in einer Ausnahmesituation auszunutzen, bedeutet nicht nur einen finanziellen Schaden, sondern auch einen Vertrauensbruch gegenüber all jenen, die helfen wollten. Wer auf Kosten von Trauernden und Schockierten Profit sucht, missbraucht die Menschlichkeit anderer.
Es ist ein Fall, der deutlich macht, wie wichtig Transparenz und Kontrolle bei Spendenaktionen sind – und wie sehr wir alle darauf angewiesen sind, dass Solidarität nicht zur Spielwiese von Betrug wird. Denn Solidarität lebt von Vertrauen. Und dieses Vertrauen darf nicht verspielt werden.
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