Frankreich will ab Herbst 2026 Instagram, TikTok & Co. für unter 15-Jährige verbieten. Australien ist schon weiter und zieht die Altersgrenze auf 16. Auch in Deutschland mehren sich die Stimmen, die strengere Regeln fordern. Aber ist ein Verbot wirklich der richtige Weg?
PRO: Kinder brauchen Schutz – nicht Likes
von Anna Lehmann
Online ist nicht gleich ungefährlich. Was nach Tanzvideos und Katzenfiltern klingt, ist für viele Kinder ein täglicher Balanceakt zwischen Faszination und Überforderung. Plattformen wie TikTok und Instagram sind längst keine harmlosen Spaßportale mehr, sondern Marketingmaschinen, die mit Aufmerksamkeit handeln und Körperbildern, Trends und Reizen arbeiten, für die Jugendliche schlicht noch zu jung sind.
Zahlreiche Studien zeigen die negativen Folgen: gestörter Schlaf, steigende Depressionsraten, exzessives Scrollen, Mobbing – das digitale Klassenzimmer ist oft gnadenloser als das echte. Wer unter 15 ist, ist besonders verletzlich. Warum sollten wir also weiter zulassen, dass Kinder auf Plattformen unterwegs sind, die für Erwachsene designt wurden?
Ein Verbot wäre ein starkes politisches Signal: Wir setzen klare Grenzen im digitalen Raum – genauso wie wir Alkohol, Glücksspiel oder Autofahren an Altersgrenzen koppeln. Frankreich macht es vor. Warum nicht auch Deutschland?
Natürlich ist das kein Allheilmittel. Aber es wäre ein Anfang – und würde Plattformen zwingen, ihre Verantwortung endlich ernst zu nehmen.
CONTRA: Ein Verbot schafft mehr Probleme als es löst
von Max König
Verlockend klingt es ja: Einfach den Zugang sperren – und schon sind Kinder vor Social-Media-Gefahren geschützt. Nur: So einfach funktioniert das Internet nicht. Jugendliche sind kreativ – und technisch versiert. Wo ein Verbot ist, ist auch ein Umweg. Altersverifikation? Umgehbar. VPN? Bekannt. Und wenn es keine offiziellen Wege mehr gibt, weichen Kinder auf unsichere, nicht regulierte Plattformen aus.
Außerdem: Wer entscheidet, was „unangemessene Inhalte“ sind? Wird nicht eher ein kontrolliertes, altersgerechtes Medienlernen gebraucht als ein Versteckspiel? Statt zu verbieten, sollten wir Kinder aufklären – über Algorithmen, über Filterblasen, über digitale Selbstfürsorge.
Ein Verbot kann schnell zur symbolischen Maßnahme verkommen – gut gemeint, aber schlecht gemacht. Eltern, Schulen und Medienpädagogik sollten an einem Strang ziehen. Was wir brauchen, ist eine digitale Erziehungsoffensive, keine Netzsperre mit Nebenwirkungen.
Fazit
Der Schutz von Kindern im Netz ist wichtig – aber über das „Wie“ wird heftig gestritten. Frankreich geht mit einem Verbot voran, doch ob das auch in Deutschland sinnvoll ist, bleibt fraglich. Die Debatte ist eröffnet – und sie betrifft uns alle.
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