In den USA formiert sich zunehmender Widerstand gegen große KI-Unternehmen wie OpenAI, Meta und Google – und zwar aus der Literaturbranche. Zahlreiche Autorinnen und Autoren werfen den Tech-Konzernen vor, ihre Werke ohne Zustimmung und Bezahlung für das Training von Sprachmodellen genutzt zu haben.
Bestsellerautoren klagen gegen KI-Giganten
Unter den Klägern befinden sich prominente Namen wie George R. R. Martin („Game of Thrones“), John Grisham und Jonathan Franzen. Gemeinsam mit der Authors Guild, der größten US-Autorenvereinigung, haben sie mehrere Sammelklagen eingereicht. Der Vorwurf: Die Unternehmen hätten urheberrechtlich geschützte Bücher massenhaft in ihre KI-Datenbanken eingespeist – ohne Lizenz, ohne Zustimmung, ohne Entlohnung.
„Unsere Bücher sind keine kostenlosen Trainingsdaten“, erklärte die Authors Guild. „KI-Systeme schöpfen aus unserer Arbeit, um Inhalte zu erzeugen, die unsere berufliche Existenz bedrohen.“
KI-Firmen berufen sich auf „Fair Use“
Die beklagten Unternehmen weisen die Vorwürfe zurück und berufen sich auf das Prinzip des „Fair Use“ im US-Urheberrecht. Dieses erlaubt die begrenzte Nutzung geschützter Inhalte zu Bildungs-, Forschungs- oder Transformationszwecken. Die Konzerne argumentieren, dass das Training von KI-Modellen unter diese Ausnahme falle, da dabei keine Texte kopiert, sondern Muster und Sprachstrukturen analysiert würden.
Juristen bezweifeln jedoch, dass diese Argumentation vor Gericht Bestand haben wird. Sollte ein Gericht zugunsten der Autoren entscheiden, könnte das weltweite Auswirkungen auf die Entwicklung und Finanzierung von KI-Projekten haben.
Mehrere Verfahren vor US-Gerichten
Derzeit laufen mehrere Sammelklagen in New York, Kalifornien und Washington D.C. Neben den Autoren haben auch Nachrichtenverlage, Künstler und Programmierer ähnliche Klagen eingereicht. Besonders brisant: Einige Dokumente deuten darauf hin, dass Millionen digitaler Bücher – darunter auch aus der berüchtigten Piratenbibliothek „Books3“ – für das Training genutzt wurden.
Ein Präzedenzfall mit globaler Tragweite
Beobachter sprechen von einem möglichen Präzedenzfall, der das Verhältnis zwischen Kreativen und KI-Unternehmen neu definieren könnte. Sollte den Autoren Recht gegeben werden, müssten Tech-Firmen künftig Lizenzgebühren zahlen oder auf umfangreiche Datensätze verzichten – was die Entwicklung vieler Modelle erheblich verteuern würde.
Zwischen Schutz und Fortschritt
Während Autoren ihre Rechte verteidigen, warnen Technologiekonzerne vor einer „Überregulierung“, die Innovationen abwürgen könnte. Die Debatte spiegelt ein zentrales Dilemma des digitalen Zeitalters wider: Wie lässt sich geistiges Eigentum schützen, ohne technologische Entwicklung zu blockieren?
Fazit:
Der Streit zwischen US-Autoren und KI-Unternehmen ist mehr als nur ein juristischer Schlagabtausch – er ist ein Kulturkampf um das Eigentum an Wissen, Sprache und Kreativität. Sein Ausgang könnte die Zukunft der gesamten KI-Industrie – und der Literatur – grundlegend verändern.
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