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Schwerer Rückschlag für trans Jugendliche: Oberstes US-Gericht bestätigt Verbot geschlechtsangleichender Behandlungen

MarkThomas (CC0), Pixabay
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Am 18. Juni hat der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten ein umstrittenes Gesetz des Bundesstaates Tennessee bestätigt, das geschlechtsangleichende medizinische Behandlungen für Minderjährige untersagt. Die Entscheidung sorgt bei Befürwortern transgerechter Gesundheitsversorgung für scharfe Kritik und wird als massiver Rückschlag für die Rechte von trans Jugendlichen gewertet.

Das Gericht urteilte, dass das Verbot von Pubertätsblockern und Hormontherapien für Minderjährige nicht gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz der 14. Verfassungsänderung verstoße. Damit folgte es der Argumentation des Bundesstaates, der auf Risiken für junge Menschen verwies.

Die Republikanische Fraktion des Repräsentantenhauses von Tennessee bezeichnete das Urteil als „stolzen Tag für den Volunteer State und für alle, die an den Schutz der Unschuld und das Wohlergehen von Kindern glauben.“

Gegenteilige Reaktionen kamen von Menschenrechtsorganisationen. Die Tennessee Equality Project, die sich gegen LGBTQ-feindliche Gesetzgebung einsetzt, zeigte sich „zutiefst enttäuscht“ und betonte, das Urteil untergrabe die Rechte von trans Kindern, deren Familien und ärztlichen Betreuern. In der Erklärung heißt es:

„Geschlechtsangleichende Behandlungen retten Leben. Die Mehrheit der großen medizinischen Fachgesellschaften – darunter die American Academy of Pediatrics und die American Medical Association – befürworten diese Behandlungen aus gutem Grund: Sie verbessern die psychische Gesundheit und senken das Suizidrisiko.“

Auch Kimberly Inez McGuire, Geschäftsführerin von Unite for Reproductive & Gender Equity, verurteilte das Urteil scharf:

„Dieses Urteil stellt Grausamkeit über Fürsorge. Es kriminalisiert Unterstützung und gefährdet das Leben junger Menschen.“

Einschränkungen in über der Hälfte der US-Bundesstaaten

Laut Lindsey Dawson vom Kaiser Family Foundation (KFF) haben derzeit 25 US-Bundesstaaten gesetzliche Beschränkungen für geschlechtsangleichende Behandlungen für Minderjährige. Zwar verbieten nur wenige Staaten operativen Eingriffe, doch selbst Pubertätsblocker oder Hormontherapien sind in vielen Bundesstaaten untersagt. Familien mit geringen finanziellen Mitteln sind dadurch besonders betroffen, da ihnen eine Ausreise in liberalere Bundesstaaten oft nicht möglich ist.

„Wenn ein Minderjähriger diese medizinisch notwendige Versorgung braucht, ist sie in vielen Regionen schlicht nicht verfügbar“, so Dawson.

Trump-Regierung weitet Maßnahmen gegen trans Gesundheitsversorgung aus

Die Entscheidung des Gerichts erfolgt vor dem Hintergrund einer zunehmend restriktiven Politik der Trump-Administration. Präsident Trump hatte bereits kurz nach Amtsantritt eine Verfügung unterzeichnet, wonach die Regierung keine Maßnahmen zur Förderung oder Finanzierung geschlechtsangleichender Behandlungen unternehmen werde. Im April wies das für Medicare und Medicaid zuständige Bundesamt die Bundesstaaten an, keine Mittel für solche Behandlungen bei Minderjährigen bereitzustellen.

Dr. Mehmet Oz, Administrator der Bundesbehörde, kündigte zudem an, dass die Kostenübernahme für Operationen oder Hormontherapien bei unter 18-Jährigen künftig entfallen werde.

Eine Studie der Fachzeitschrift JAMA Network Open aus dem Jahr 2023 zeigte, dass geschlechtsangleichende Operationen vor allem bei jungen Erwachsenen zwischen 19 und 30 verbreitet sind. Von über 25.000 Eingriffen in den Jahren 2016 bis 2019 entfielen nur rund 3.700 auf Minderjährige.

Zunahme von Suizidversuchen unter trans Jugendlichen befürchtet

Die LGBTQ-Organisation The Trevor Project, die sich auf die Suizidprävention bei queeren Jugendlichen spezialisiert hat, warnte vor den psychischen Folgen des Urteils. In Studien der Organisation wurde ein deutlicher Zusammenhang zwischen gesetzlich verankerten Einschränkungen für trans Jugendliche und einer erhöhten Suizidrate festgestellt.

Jaymes Black, Geschäftsführender Direktor von The Trevor Project, sagte:

„Es ist zutiefst besorgniserregend, dass Politiker bestimmten jungen Menschen lebenswichtige Medikamente verbieten können, während dieselben Behandlungen für andere weiterhin zugänglich sind. Das ist Diskriminierung – Punkt.“

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