Was einst als Leuchtturmprojekt zur Nachnutzung der historischen Schererfabrik in Albstadt-Ebingen angekündigt war, steht nun endgültig vor dem Scheitern: Die für das Wohnbauvorhaben gegründete Projektgesellschaft „SGI Alte Textilfabrik Albstadt-Ebingen“ hat Insolvenz angemeldet. Damit sind alle bisherigen Annahmen über eine baldige Wiederaufnahme der Bauarbeiten, wie sie noch im April 2025 geäußert wurden, hinfällig.
Das ambitionierte Vorhaben, in dem denkmalgeschützten Industriebau 50 Eigentumswohnungen zu realisieren, hatte bereits seit Jahren mit massiven Verzögerungen zu kämpfen. Der zuletzt verhängte Baustopp Ende 2024 infolge der Rücktritte mehrerer Bauleiter hatte bereits die Alarmglocken schrillen lassen. Eine offizielle Begründung blieb aus, nun ist jedoch klar: Das Projekt ist zahlungsunfähig.
Für die zahlreichen Wohnungserwerber, die sich bereits frühzeitig zum Kauf einer der Wohnungen verpflichtet hatten, ist die Situation nun äußerst ungewiss. Laut Angaben der damaligen Eigentümerin SFG Immobilien AG waren bereits im Jahr 2019 rund 90 Prozent der Wohnungen verkauft. Inwieweit die Kaufverträge rechtlich bindend bleiben oder Rückabwicklungen möglich sind, dürfte nun Gegenstand rechtlicher Auseinandersetzungen sein.
Auch die Stadt Albstadt sieht sich mit einer neuen Realität konfrontiert. Das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1896, ein bedeutendes Zeugnis der regionalen Textilgeschichte, droht erneut zum Dauerproblem zu werden. Die Hoffnung auf dringend benötigten Wohnraum in zentraler Lage hat sich vorerst zerschlagen. „Die Insolvenz ist bedauerlich – sowohl für die Stadtentwicklung als auch für die betroffenen Käufer“, so Thomas Klink vom Stadtplanungsamt.
Wie es mit dem Gelände an der Bitzer Steige weitergeht, ist derzeit völlig offen. Ob ein neuer Investor gefunden wird, hängt von vielen Faktoren ab – nicht zuletzt vom baulichen Zustand und der Frage, ob das Projekt unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen überhaupt noch realisierbar ist.
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