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San Francisco verklagt Lebensmittelgiganten – Streit um „versteckte Gesundheitsgefahren“ in Ultra-Processed Foods

terry7733 (CC0), Pixabay
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Die Stadt San Francisco hat eine Klage eingereicht, die für die US-Lebensmittelindustrie zum Präzedenzfall werden könnte: Zehn der größten Hersteller von stark verarbeiteten Lebensmitteln („Ultra-Processed Foods“, UPFs) sollen bewusst Produkte verkauft haben, die mit einem drastischen Anstieg schwerer Krankheiten in Verbindung stehen. Die Stadt zieht eine Linie zu den Strategien der Tabakindustrie – und fordert Konsequenzen.

Vorwurf: „Lebensmittelindustrie hat eine Gesundheitskrise konstruiert“

Die Klage, die am Dienstag beim Superior Court of California eingereicht wurde, richtet sich unter anderem gegen:

  • Kraft Heinz

  • Mondelez

  • Coca-Cola

  • sowie weitere Konzerne, deren Sortiment von Keksen über Chips bis zu Müsliriegeln reicht.

San Franciscos City Attorney David Chiu erhebt schwere Vorwürfe:

„Diese Unternehmen haben eine öffentliche Gesundheitskrise geschaffen, Gewinne eingefahren – und müssen nun Verantwortung übernehmen.“

Im Kern wirft die Stadt den Herstellern vor,

  • Produkte bewusst süchtig machend gestaltet zu haben,

  • sie trotz bekannter Risiken aggressiv zu vermarkten,

  • und damit gegen kalifornische Gesetze zu öffentlichen Belästigungen (public nuisance) und unfairen Wettbewerb zu verstoßen.

Die Unternehmen äußerten sich bislang nicht zu den Vorwürfen.

Parallelen zur Tabakindustrie – nur die Verpackung ist eine andere

San Francisco argumentiert, die Gesundheitssysteme müssten jährlich Milliarden zur Behandlung von Krankheiten zahlen, die mit UPFs in Zusammenhang stehen. Gemeint sind unter anderem:

  • Adipositas

  • Typ-2-Diabetes

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • bestimmte Krebsarten

  • chronische Entzündungserkrankungen

Der Anstieg dieser Krankheiten laufe parallel zur wachsenden Verfügbarkeit hochverarbeiteter Produkte.

Die Klage spricht von „versteckten Gesundheitsgefahren“, die Konsumenten nicht erkennen könnten.

Widerstand der Industrie: „Es gibt keine einheitliche Definition“

Die Consumer Brands Association reagierte prompt. Sarah Gallo, Senior Vice President für Produktpolitik, erklärte:

„Eine wissenschaftlich einheitliche Definition für ultra-verarbeitete Lebensmittel existiert nicht.“

Die Industrie weist den Vorwurf zurück, allein die Verarbeitung mache Lebensmittel ungesund. Zudem verweist sie auf Reformulierungen wie:

  • weniger Zucker

  • weniger Salz

  • mehr Ballaststoffe

  • Verzicht auf künstliche Farbstoffe

Für die Hersteller ist die Klage eine pauschale Stigmatisierung.

Politischer Rückenwind – sogar aus dem Trump-Lager

Interessant ist, dass das Thema „Ultra-Processed Foods“ parteiübergreifend in den Fokus rückt:

  • US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. kündigte ein Verbot von acht künstlichen Farbstoffen an.

  • Die Initiative „Make America Healthy Again“ fordert strengere Regeln für Inhaltsstoffe wie Mais­sirup oder Saatöle.

  • Coca-Cola versprach bereits, in den USA künftig wieder echten Rohrzucker einzusetzen.

Trotz politischer Differenzen scheint ein gemeinsames Feindbild greifbar.

Klagestreit mit Signalwirkung

San Francisco fordert:

  • hohe finanzielle Strafen,

  • eine staatenweite Unterlassungsanordnung,

  • und eine strukturelle Veränderung in der Marketingstrategie der Hersteller.

Die Klage könnte ein Umdenken in der gesamten US-Lebensmittelbranche erzwingen. Zwar scheiterte ein ähnlicher Einzelklageversuch in Pennsylvania zuvor – doch nun klagt eine staatliche Institution. Das macht den Fall deutlich gewichtiger.

Fazit

San Francisco eröffnet einen juristischen Frontalangriff gegen die weltgrößten Lebensmittelkonzerne – mit dem Potenzial, das gesamte System der industriellen Lebensmittelproduktion infrage zu stellen. Der Ausgang des Verfahrens könnte weitreichende Auswirkungen auf Regulierung, Produktgestaltung und Marketing hochverarbeiteter Lebensmittel haben.

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