Die Sachsen-CDU steckt nach der Bundestagswahl in einer politischen Identitätskrise. Kein einziges Direktmandat, halb so viele Stimmen wie die AfD – in etwa so, als würde Bayern plötzlich aufhören, Weißwürste zu essen. Während Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) eisern an der Brandmauer zur AfD festhält, wächst in der Partei der Zweifel: Kann man eine Partei mit fast 40 % ewig aussperren – oder sollte man ihr wenigstens ein Bier anbieten?
„Die Wähler wollten unsere Argumente nicht hören – Frechheit!“
Während sich Friedrich Merz in Berlin langsam aber sicher ins Kanzleramt tastet, sieht die sächsische CDU aus, als hätte sie sich auf einem Waldweg verlaufen. „Wir haben eine neue Volkspartei erschaffen – nur leider nicht uns selbst“, klagt ein CDU-Abgeordneter.
Ein anderer gibt zu: „Man hätte eine Zimmerpflanze aufstellen können, und sie hätte mehr Stimmen bekommen als wir.“ Das Volk habe schlicht keine Lust mehr auf CDU-Plakate mit leeren Versprechen – es wollte diesmal richtige Aufregung, Skandale und politisches Kabarett – und das gibt’s offenbar nur bei der AfD.
„Brandmauer? Ach, die hat längst Risse wie ein Berliner Flughafen.“
Offiziell hält die CDU am Parteibeschluss von 2018 fest: „Mit der AfD wird nicht koaliert!“ Doch in den Rathäusern und Kreistagen Sachsens sieht das anders aus.
Matthias Rößler, Ex-Landtagspräsident und CDU-Landesvorstandsmitglied, sagt trocken: „Die Brandmauer wird in den Kommunen bereits von der Realität überholt.“ Heißt übersetzt: Man tut offiziell so, als gäbe es keine Zusammenarbeit – aber wenn in der Kreistagssitzung keiner mehr einen Kugelschreiber hat, wird schon mal einer von der AfD geliehen.
Zwischen „Volksfront“ und „Titanic 2.0“ – wohin steuert die CDU?
Die sächsische CDU steckt zwischen Hammer und Amboss. Koalition mit SPD und Grünen? Dann geht das eigene Parteiprogramm baden. Zusammenarbeit mit der AfD? Dann gibt’s Ärger in Berlin. Gar nicht regieren? Klingt auch nicht nach einer Strategie, die auf Dauer funktioniert.
Während Kretschmer betont, dass die Brandmauer „steht“, rufen immer mehr Parteikollegen: „Ja, aber auf welchem Fundament?“ Die Wähler jedenfalls haben gesprochen – und zwar laut und deutlich. Nur scheint in der CDU noch keiner so genau zu wissen, in welcher Sprache.
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