Die militärischen Spannungen in Europas Norden nehmen weiter zu: Ein russisches Militärflugzeug hat nach Angaben von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius eine Fregatte der Deutschen Marine im Ostseeraum überflogen – ein Vorfall, den der Minister als Teil gezielter russischer Provokationen im Nato-Luftraum wertet.
Die Fregatte „Hamburg“, die derzeit im Rahmen der Nato-Großübung „Neptun Strike“ operiert, wurde gleich zweimal überflogen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) meldete. Die Überflüge sollen sich kurz vor und am vergangenen Wochenende ereignet haben. Solche Handlungen gelten im militärischen Kontext als unnötige und riskante Provokationen.
Pistorius: „Putin will Schwachstellen im Bündnis ausloten“
Im Rahmen der Haushaltsdebatte im Bundestag sprach Pistorius von einem „systematischen Testen der Nato-Grenzen“ durch Russland. Neben dem Vorfall über der Ostsee verwies der Verteidigungsminister auf kürzliche Luftraumverletzungen durch russische Drohnen und Kampfflugzeuge in Polen, Estland und Rumänien.
„Putin will uns provozieren“, so Pistorius. Ziel des Kremlchefs sei es, vermeintliche Schwachstellen innerhalb der Nato aufzudecken und auszunutzen. Doch der russische Präsident irre sich: „Die Allianz hat klar, geschlossen und entschlossen reagiert – mit der notwendigen Besonnenheit“, betonte der SPD-Politiker.
Bedrohungslage verschärft sich – Verteidigungsausgaben steigen deutlich
Vor dem Bundestag nutzte Pistorius die Gelegenheit, für den gestiegenen Verteidigungsetat zu werben. Im Etatentwurf für das Jahr 2026 sind 82,69 Milliarden Euro im regulären Wehretat vorgesehen, zusätzlich 25,51 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen Bundeswehr. Bereits im laufenden Jahr summieren sich die Ausgaben auf über 86 Milliarden Euro.
Pistorius warnte davor, die aktuellen Vorfälle zu unterschätzen: „Die Bedrohung hat eine neue Dimension erreicht. Moskau testet die Reaktionsfähigkeit der Nato, nicht nur militärisch, sondern auch psychologisch.“
Nato-Übung „Neptun Strike“: Geschlossenheit demonstrieren
Die laufende Übung „Neptun Strike“ gilt als wichtiges Signal der Abschreckung und Bündnissolidarität. Beteiligt sind neben Deutschland zahlreiche Nato-Mitglieder, darunter auch die USA, Großbritannien und die baltischen Staaten.
Ziel der Übung ist es, die Koordinierung im Ernstfall zu testen – auch unter feindlicher Beobachtung, wie der aktuelle Zwischenfall zeigt.
Fazit: Putin unterschätzt den Westen
Der Verteidigungsminister schloss seine Rede mit einer klaren Botschaft an Moskau: „Wir lassen uns nicht spalten, nicht provozieren und nicht einschüchtern. Die Nato steht.“
Der Vorfall über der Ostsee ist damit nicht nur eine militärische Eskalation, sondern auch ein Weckruf an die europäische Sicherheitspolitik – in einer Zeit, in der Abschreckung und Bündnistreue wieder an strategischer Bedeutung gewinnen.
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